
Das Experiment zeigt eindrucksvoll, mit welchen Einschränkungen der elektrische Antrieb bei langen und schnellen Strecken konfrontiert ist – selbst bei radikalen technischen Modifikationen.
Maßstab: Rekorde von Verbrennern
Der klassische Referenzwert bleibt die Strecke von der Ost- bis zur Westküste der USA mit rund 4.527 km. Im Jahr 2020 wurde diese Route in 25 Stunden und 39 Minuten mit einem Verbrenner zurückgelegt, der einen zusätzlichen Tank mit etwa 250 Litern Fassungsvermögen trug. Entscheidend waren die hohe Durchschnittsgeschwindigkeit und minimale Standzeiten.
Für Elektrofahrzeuge stellt dieses Format weiterhin eine enorme Herausforderung dar. Der beste offizielle Wert auf dieser Strecke lag 2024 bei 39 Stunden und 29 Minuten – deutlich hinter den Verbrennern.
Extrem umgebauter Rivian R1T
Um diesen Wert zu unterbieten, wählte ein Team von Enthusiasten den elektrischen Pick-up Rivian R1T und erhöhte die Energiespeicherung massiv. Zusätzlich zu den Serienbatterien wurden weitere Module auf der Ladefläche integriert. Insgesamt erreichte das Fahrzeug eine Batteriekapazität von 310 kWh.
Energetisch entspricht das etwa 80 Litern Diesel, doch der Gewichtsunterschied ist enorm. Während 80 Liter Kraftstoff rund 80 kg wiegen, brachten die entsprechenden Akkus fast 2 Tonnen zusätzliches Gewicht auf die Waage.



Reale Reichweite und Laden
Theoretisch sollte der modifizierte Rivian bis zu 1.000 km mit einer Ladung schaffen. In der Praxis lagen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 109 km/h reale Etappen zwischen den Stops bei rund 820 km. Um Zeit zu sparen, organisierte das Team paralleles Laden an zwei Stationen mit bis zu 300 kW Gesamtleistung.
Trotzdem reichte das nicht aus. Überhitzung der Batterien erforderte permanente Zusatzkühlung – unter anderem mit Eis – und Probleme mit der Ladeinfrastruktur brachten den gesamten Zeitplan durcheinander.
Warum der Rekord ausblieb
Trotz hohem Aufwand und umfangreichen Modifikationen wurde der Versuch vorzeitig abgebrochen. Die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit war nicht annähernd mit Rekordwerten von Verbrennern vergleichbar, die über 170 km/h lagen. Selbst kompakte Serienfahrzeuge mit klassischem Antrieb bewältigen eine solche Strecke schneller und mit weniger Komplikationen.
Fazit
Der Versuch mit dem Rivian R1T hat deutlich gemacht, dass eine reine Vergrößerung der Batteriekapazität die zentralen Probleme bei schnellen Langstreckenfahrten mit Elektrofahrzeugen nicht löst. Das Gewicht der Akkus, lange Ladezeiten und die Abhängigkeit von der Ladeinfrastruktur sorgen weiterhin für einen erheblichen Abstand zu klassischen Verbrennern in solchen Einsatzszenarien.