
Der Nissan Rogue 2013–2020 bringt die bekannten Schwachstellen japanischer Kompakt-SUV mit: empfindliches Getriebe und launische Elektronik. Beim Kauf eines gebrauchten Rogue in Deutschland sollten Sie unbedingt die hiesigen Gegebenheiten berücksichtigen: Salzeinsatz im Winter, teilweise schlechte Straßenqualität und die sehr große Zahl an US-Importfahrzeugen.
1. Wichtigste Mängel der Baureihe
Die häufigsten Kritikpunkte
Die zweite Generation des Nissan Rogue (T32, 2013–2020) hat eine ganze Reihe wiederkehrender Probleme, über die sich tausende Halter in Foren, auf Bewertungsportalen und bei Verbraucherorganisationen beschweren.
Erstens: Verbrauch über dem Klassendurchschnitt. Der 2,5-Liter-Benziner QR25DE verbraucht im Stadtverkehr realistisch 9,5–11,5 l/100 km, auf der Autobahn 7,0–8,0 l — bei aktuellen Spritpreisen in Deutschland ein spürbarer Kostenfaktor.
Zweitens: veraltetes Infotainment und Navigation. Frühe NissanConnect-Systeme haben kleine Displays (5–7 Zoll), träge Bedienung und viele Aussetzer: Einfrieren, Bluetooth-Probleme, Navigationsfehler. Erst das Facelift 2017 brachte Apple CarPlay & Android Auto — und das auch nur in höheren Ausstattungslinien.
Rost ist ein weiterer großer Kritikpunkt, besonders bei US-Importen aus den „Salt-Belt“-Staaten. Unterboden, Radläufe und Schweller rosten nach 5–8 Jahren durch. In Deutschland beschleunigen Streusalz und Feuchtigkeit den Prozess zusätzlich.
Schwache Geräuschdämmung wird sehr häufig bemängelt. Ab ca. 100–120 km/h dringen Abroll-, Wind- und Motorgeräusche deutlich in den Innenraum — Langstrecken werden schnell ermüdend. Nach dem Facelift 2017 wurde es etwas besser, viele Besitzer rüsten trotzdem nach.
Teure Reparaturen konzentrieren sich vor allem auf Getriebe und Elektronik. Das Xtronic-CVT-Getriebe ist das berüchtigte Schwachpunkt: Überhitzung im Stau, Ruckeln, Leistungsverlust bis hin zum Totalausfall. Reparatur oder Austausch kosten 3.500–7.500 €. Weitere typische Defekte: Klimakompressor, Heizungs-/Klimaklappen-Steller (ungleichmäßige Temperatur), Fahrwerk (Stoßdämpfer, Stabilisatorbuchsen ab ca. 50–80.000 km) sowie Ölverbrauch ab 100–150.000 km.
Elektronik sorgt ebenfalls für Ärger: Fehlauslösungen des Notbremsassistenten (AEB), defekte ABS-Sensoren, Multimediapannen. Der Lack ist dünn und empfindlich — Steinschläge sind schnell sichtbar.
2. Probleme nach Baujahr
Bei welchen Jahren besonders genau hinschauen?
Die Problemhäufigkeit variiert deutlich nach Baujahr. Die frühen Modelle (2013–2016) schneiden am schlechtesten ab. 2013 ist das schwächste Jahr: extrem viele CVT-Ausfälle, Klimaanlagen- und Tankfüllstandsensor-Probleme. Viele Getriebe mussten vor 150.000 km getauscht werden.
2014–2015 ähnlich: CVT, Klima, Innenraum-Verschleiß. 2016 kommen Geräusche aus dem vorderen Fahrwerk bei Kurvenfahrten hinzu. Jede dieser Jahre hat hunderte Beschwerden und mehrere Rückrufaktionen.
Das Facelift 2017 brachte deutliche Verbesserungen: robusteres CVT mit besserer Kühlung, mehr Dämmmaterial, modernere Elektronik (inkl. ProPILOT Assist in höheren Linien). Trotzdem bleibt das Getriebe bei sportlicher Fahrweise gefährdet. 2018 auffällig durch plötzliches, ungewolltes Bremsen. 2019–2020 gelten als die zuverlässigsten Jahre — aber eine gründliche CVT-Diagnose ist Pflicht.
Hybridversionen (ab 2017) sind in Deutschland sehr selten.
Meiden Sie 2013–2016 mit hoher Laufleistung. Die beste Wahl sind gut gepflegte Facelift-Modelle ab 2017 mit lückenlosem Scheckheft.
3. Besonderheiten des deutschen Marktes
Realität auf dem Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland
Die allermeisten Nissan Rogue 2013–2020 auf dem deutschen Markt sind US-Importe (häufig aus Auktionen wie Copart) und sehr oft mit Unfall- oder Hagelschaden-Historie. Das bedeutet: unterschiedlich gute Reparaturen, verzogene Spaltmaße, versteckte Mängel.
Karosserie-Zustand ist entscheidend. Rost durch US-Salz wird durch deutsches Streusalz noch schlimmer. Immer auf Hebebühne prüfen: Unterboden, Radläufe, Schweller. Serviceheft oft lückenhaft oder gefälscht — bei US-Fahrzeugen immer Carfax/AutoCheck verlangen.
Originalteile für CVT und Elektronik sind teuer, gute Nachbauqualitäten (Bosch, KYB etc.) aber gut verfügbar. Wartungsintervalle: Motoröl alle 10–15.000 km, CVT-Öl alle 40–60.000 km, sonst droht früher Ausfall.
Tacho-Rücklauf ist weit verbreitet — Pedale, Lenkrad, Sitze prüfen. Unverbindliche Marktpreisspanne für Deutschland für 2017–2020 in gutem Zustand: ca. 14.000–24.000 € je nach Laufleistung, Ausstattung und Pflegezustand (deutlich höher bei sehr gepflegten, niedrig laufenden Exemplaren).

4. Was sich richten lässt & realistisches Budget
Kosten, um das Fahrzeug in Top-Zustand zu bringen
Viele Mängel lassen sich beheben — kosten aber Geld. Komplette Nachdämmung (Türen, Radläufe, Boden) ca. 800–1.800 €.
Moderne Multimedia-Nachrüstung (Android mit CarPlay) 500–1.200 €. Rostschutzbehandlung + punktuelle Lackierungen 600–2.000 € je nach Ausmaß.
Stoßdämpfer (Paar) 600–1.400 €, Buchsen 200–500 €. Präventive CVT-Wartung (Öl + Filter) 300–600 €; komplette Reparatur oder Tausch 3.500–7.500 €.
Unverbindliche Marktpreisspanne für Deutschland 16.000–24.000 € für ein solides 2017–2020-Modell. Rechnen Sie zusätzlich 1.500–4.000 € für sofortige Optimierungen (Dämmung, Rostschutz, Rückstände der Wartung).
5. Fazit: Kaufen oder lieber nicht? Beste & schlechteste Versionen
Die wichtigsten Empfehlungen
Der Nissan Rogue II ist auch 2025–2026 noch eine vernünftige Option — wenn man sehr genau auswählt. Geräumig, solider Motor, ordentliche Fahreigenschaften — gut für Familien. Aber: sehr gründliche Prüfung zwingend erforderlich.
Am besten: Modelle ab 2017 mit unter 120.000 km, lückenlosem Scheckheft und sauberer CVT-/Fahrwerksdiagnose. Die 2013–2016 mit hoher Laufleistung und unklarer Historie meiden.
Empfohlene Ausstattungslinien: SV oder SL mit Allrad. Bei der Besichtigung besonders achten auf: Probefahrt (CVT-Ruckeln prüfen), Hebebühne (Rost, Undichtigkeiten), Elektronik (AEB, Infotainment) und Papiere (Carfax/Scheckheft).
Mit konsequenter Pflege schafft ein gutes Exemplar locker 250.000–300.000 km. Ohne gesicherte CVT-Gesundheit: Finger weg — das Risiko ist zu hoch.