
Der Grund ist einfach: Die traditionellen Finanzierungsquellen für die Straßeninfrastruktur funktionieren nicht mehr ausreichend, und alternative Mechanismen bedürfen einer Neubewertung. Ein anschauliches Beispiel sind die Änderungen, die im US-Bundesstaat Minnesota umgesetzt wurden.
Warum neue Zahlungen erforderlich sind
Über viele Jahre hinweg wurde die Instandhaltung und Reparatur der Straßen in den USA weitgehend durch Verbrauchssteuern auf Kraftstoffe finanziert. Halter von Elektrofahrzeugen trugen zu diesem System praktisch nichts bei, da sie weder Benzin noch Diesel kaufen. Mit dem wachsenden Bestand solcher Fahrzeuge entstand eine deutliche Lücke zwischen den Infrastrukturausgaben und den eingehenden Einnahmen.
Versuche, diese Lücke über den allgemeinen Haushalt auszugleichen, erwiesen sich als begrenzt. Deshalb begannen die Behörden mehrerer Bundesstaaten, direkte Wege zu suchen, um Halter von Elektrofahrzeugen an der Finanzierung des Straßennetzes zu beteiligen.
Jährliche Steuer abhängig vom Fahrzeugwert
In Minnesota wird ab Anfang 2026 ein neues Schema für die jährliche Straßensteuer bei Elektrofahrzeugen eingeführt. Bisher zahlten die Halter eine feste Gebühr in Höhe von etwa 75 Dollar pro Jahr, unabhängig vom Preis oder Alter des Fahrzeugs. Dieser Betrag wurde nun erhöht und um einen variablen Anteil ergänzt.
Die Basisgebühr beträgt rund 150 Dollar jährlich. Zusätzlich wird ein Prozentsatz vom ursprünglichen Fahrzeugpreis (MSRP) erhoben:
- im ersten Jahr — 0,5 % vom vollen Preis;
- im zweiten Jahr — 0,5 % von 95 % des ursprünglichen Werts;
- im dritten Jahr — 0,5 % von 90 %;
- danach verringert sich die Basis jährlich um 10 %;
- für Fahrzeuge älter als 10 Jahre gilt eine Mindestbasis von 10 %.
Ein ähnliches Schema, jedoch mit einem reduzierten Satz von 0,25 %, wurde für Plug-in-Hybride eingeführt.
Zusätzliche Gebühr für das Laden
Ab 2027 kommt im Bundesstaat eine weitere Einnahmequelle hinzu — eine Steuer auf öffentliche Ladestationen mit einer Leistung von 50 kW oder mehr. Betreiber solcher Stationen müssen etwa 0,05 Dollar pro gelieferter Kilowattstunde abführen. Dieser Betrag wird praktisch in die Ladekosten eingepreist und von den Haltern der Elektrofahrzeuge getragen.
Bei regelmäßiger Nutzung von Schnellladestationen können die jährlichen Ausgaben spürbar steigen, insbesondere bei Fahrzeugen mit großen Batterien.
Mögliche Auswirkungen auf den Markt
Die Einführung der neuen Gebühren verändert die Wirtschaftlichkeit des Elektrofahrzeugbesitzes in der Region. Stand früher die Abwesenheit bestimmter Betriebskosten im Vordergrund, gehen die Halter nun schrittweise zu einem Modell direkter Beteiligung an der Infrastrukturfinanzierung über — vergleichbar mit dem Beitrag von Haltern konventioneller Fahrzeuge.
Fazit
Die Erfahrung Minnesotas zeigt, dass Elektrofahrzeuge mit abnehmenden Subventionen und steigenden Haushaltsbelastungen zunehmend in das allgemeine System von Steuern und Gebühren einbezogen werden. Dieser Ansatz ermöglicht eine ausgewogenere Finanzierung des Straßennetzes, beeinflusst jedoch gleichzeitig die Attraktivität der Elektromobilität in Regionen mit naturgemäß niedriger Nachfrage.