
Das Unternehmen will rund 18 % seiner Beschäftigten entlassen und setzt damit sein Kostensenkungsprogramm nach hohen finanziellen Verlusten fort. Die Entscheidung fällt vor dem Hintergrund schwacher Verkaufszahlen, wachsender Bestände unverkaufter Fahrzeuge und der Notwendigkeit, die weitere Geschäftstätigkeit zu finanzieren.
Zweiter Stellenabbau innerhalb eines Jahres
Für Lucid ist dies bereits die zweite Personalmaßnahme im Jahr 2026. Im Februar baute das Unternehmen rund 12 % seiner Stellen ab, die neue Runde betrifft nun fast ein weiteres Fünftel der Belegschaft. Insgesamt könnten damit innerhalb eines Jahres etwa 2.500 der ursprünglich 9.000 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren.
Laut den bei der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission eingereichten Unterlagen werden die Kosten für Entlassungen und Abfindungen auf etwa 32 Mio. US-Dollar geschätzt. Gleichzeitig soll die Maßnahme jährliche Einsparungen von rund 158 Mio. US-Dollar ermöglichen. Für das weiterhin stark defizitäre Unternehmen ist dies eine Möglichkeit, die laufenden Ausgaben zu senken und die vorhandenen Finanzreserven länger zu sichern.
Verluste bleiben das größte Problem
Lucid schloss das vergangene Jahr mit einem Verlust ab, der umgerechnet etwa 58 Mrd. UAH entsprach. Im ersten Quartal 2026 kamen weitere Verluste von rund 21 Mrd. UAH hinzu. Die Unternehmensführung hatte zuvor erklärt, dass die verfügbaren liquiden Mittel bei unveränderter Lage ungefähr bis Mitte 2027 reichen könnten.
Der neue CEO Silvio Napoli sprach nach seinem Amtsantritt von der Notwendigkeit eines strengeren Sparkurses, nannte damals jedoch keine konkreten Maßnahmen. Inzwischen ist klar, dass der Stellenabbau zu den zentralen Bestandteilen des Krisenplans gehört.

Produktion übersteigt die Nachfrage
Die finanziellen Schwierigkeiten von Lucid hängen nicht nur mit den hohen Ausgaben zusammen, sondern auch mit der Lücke zwischen Produktionsvolumen und tatsächlichen Auslieferungen. Im ersten Quartal fertigte das Unternehmen rund 5.500 Fahrzeuge, übergab jedoch lediglich 3.093 Autos an Kunden. Eine ähnliche Entwicklung war bereits Ende des vergangenen Jahres zu beobachten.
Dadurch haben sich Fahrzeuge im Wert von mehr als 30 Mrd. UAH angesammelt. Der Abverkauf solcher Bestände erfordert üblicherweise Rabatte, besondere Finanzierungsangebote oder zusätzliche Marketingausgaben. Das belastet die Marge und erschwert das Erreichen einer nachhaltigen Profitabilität.
Fragen zur Qualität der Modelle
Zusätzlich belasteten Berichte über Qualitätsprobleme beim Lucid Air und Lucid Gravity die Marke. Der Fahrzeughalter und Technikjournalist Jason Fenske berichtete öffentlich über Mängel, die bei der Nutzung beider Modelle aufgetreten seien. Ein Teil der Beanstandungen betraf die Elektronik und verschiedene Fahrzeugsysteme. Zur Behebung einzelner Probleme waren mehrere Werkstattbesuche erforderlich.
Für eine junge Marke ist der Ruf besonders wichtig: Lucid ist im hochpreisigen Segment tätig, in dem Kunden neben starken technischen Daten auch eine gleichbleibend hohe Verarbeitungsqualität, Zuverlässigkeit und einen hochwertigen Kundendienst erwarten.

Hoffnungsträger neuer Crossover
Zu den größten Hoffnungsträgern des Unternehmens zählt der künftige Crossover Lucid Cosmos, dessen Premiere für Ende 2026 erwartet wird. Das Modell soll in einem Segment antreten, in dem bereits das Tesla Model Y angeboten wird und der Rivian R2 in Vorbereitung ist. Ein günstigeres und auf höhere Stückzahlen ausgelegtes Fahrzeug könnte Lucid dabei helfen, neue Kundengruppen außerhalb des Marktes für teure Limousinen und große SUV zu erreichen.
Die weitere Entwicklung des Unternehmens wird von der Nachfrage nach den neuen Modellen, der Fähigkeit zur Kostensenkung und der Unterstützung durch wichtige Investoren abhängen. Lucid richtet sein Geschäft derzeit weiter neu aus und setzt darauf, mit künftigen Projekten stabilere Verkaufszahlen zu erreichen.