
Diese Generation, gebaut von 2016 bis 2023, erfreute sich großer Beliebtheit durch ihre Vielseitigkeit und typisch deutsche Verarbeitungsqualität – kommt aber nicht ohne typische Schwachstellen aus. Probleme beim VW Tiguan 2016–2023 treten vor allem bei Motoren, Getriebe, Elektronik und Karosserie auf. In diesem Ratgeber beleuchten wir die wichtigsten Schwachpunkte eines gebrauchten Tiguans unter Berücksichtigung der deutschen Markt- und Nutzungsrealität. Für einen kompletten Überblick zu Generation, Technikdaten und Innenraum schauen Sie in die weiteren Artikel der Serie.
Die wichtigsten Schwachstellen der Generation
Tiguan-II-Besitzer berichten immer wieder über dieselben Problemfelder, die den Alltag beeinträchtigen. Die Erkenntnisse basieren auf Foren, Plattformen wie mobile.de und internationalen Erfahrungsberichten.
- Höherer Verbrauch als erwartet: Die Benziner 1.4 TSI und 2.0 TSI liegen im Stadtverkehr meist bei 8–12 l/100 km – deutlich mehr als z. B. ein Toyota RAV4. Die 2.0 TDI-Diesel sind sparsam (5–7 l), in Deutschland aber selten geworden.
- Motorprobleme: Besonders der 2.0 TSI bis Baujahr 2018 ist berüchtigt für starken Ölverbrauch – bis zu 1 Liter auf 1.000 km durch Kolbenring-Design. Häufige Defekte: Turbolader, Drosselklappe, Kohleablagerungen und Kettenspanner-Probleme mit potenziell teurem Motorschaden.
- DSG-Getriebe: Das Doppelkupplungsgetriebe (DQ250/DQ500) benötigt Ölwechsel alle 60.000 km – sonst droht teurer Mechatronik-Defekt. Viele melden Ruckeln und Überhitzung im Stop-and-Go-Verkehr.
- Geräuschdämmung: In den Basisversionen mäßig – Reifen-, Wind- und Motorgeräusche deutlich hörbar auf der Autobahn. Ab Facelift 2020 spürbar besser, aber kein Spitzenwert.
- Elektronik & Infotainment: MIB-System mit Hängern, Neustarts, Problemen bei Travel Assist, Sitzheizung und Zentralverriegelung. Navigation meist nur gegen Gebühr aktuell.
- Karosserie & Rost: Lack leicht anfällig für Steinschläge an Haube und Türen, Tankdeckel friert im Winter ein. Rost an Schweller, Radläufen und Unterboden – vor allem in salzintensiven Wintern.
- Teure Ersatzteile & Werkstatt: Originalteile (Turbo, DSG) kosten schnell 1.500–4.500 €. Werkstattpreise bei VW hoch, Zubehörteile vorhanden, Qualität schwankt.
- Fahrwerk: Stoßdämpfer nach 50.000–80.000 km auf schlechten Straßen hinüber, hintere Federn brechen gelegentlich.
Diese Schwachstellen sind beherrschbar – machen aber eine gründliche Prüfung beim Gebrauchtwagenkauf unverzichtbar.
Modelljahre & Versionen – worauf besonders achten
Die Probleme beim VW Tiguan 2016–2023 unterscheiden sich stark je nach Baujahr. Die frühen Modelle (2016–2018) leiden am meisten unter Kinderkrankheiten.
- 2016–2017: Viele Rückrufe – Vordersitze, Bremsscheiben, Anhängerkupplung. EA888 Gen2 mit starkem Ölverbrauch und Ölpumpenproblemen. Schlechte Dämmung, anfällige Elektronik. Nur mit lückenloser Historie empfehlenswert.
- 2018–2019: Motor-Verbesserungen (Gen3), Ölverbrauch beim 2.0 TSI bleibt aber Thema. DSG- und Turbolader-Probleme halten an. MIB2 wirkt veraltet mit häufigen Aussetzern.
- 2020–2023 (Facelift): Deutlich bessere Geräuschdämmung, modernes MIB3, optimiertes DSG. Weniger Motorschwierigkeiten, dafür Touch-Bedienelemente bei Kälte nervig. Diese Jahre sind meist die beste Wahl; bei seltenen Dieseln AdBlue-System prüfen.
Spätere Diesel 2.0 TDI sind meist zuverlässiger als Benziner, aber sehr selten. US-Importe (Allspace) können Elektronik-Anpassungsprobleme haben.

Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland
Der VW Tiguan II ist auf dem deutschen Gebrauchtmarkt sehr gefragt: Tausende Angebote auf mobile.de, autoscout24 & Co. Aktuelle Preise 2026: ca. 16.000–34.000 € je nach Jahr, Laufleistung und Zustand. Wichtige Hinweise:
- Karosseriezustand: Rost an Schweller, Radläufen und Unterboden – besonders im „Salzgürtel“. Hebebühnen-Check Pflicht; versteckter Rost kostet schnell 2.000–6.000 €.
- Scheckheft & Historie: Viele ohne VW-Service. Fordern Sie immer Scheckheft und Rechnungen. Ohne Nachweis: Laufleistung per CarVertical oder Gutachten prüfen.
- Original- vs. Nachbau: Billig-Nachbauten riskant. Kontrollieren, ob Turbo oder DSG ggf. mit Billigteilen getauscht wurden.
- Wartungsintervalle: Öl alle 15.000–30.000 km (Longlife), DSG alle 60.000 km. Vernachlässigung → teure Folgeschäden.
- Echte Laufleistung: Durchschnitt 120.000–220.000 km. Mit Sitz-, Lenkrad- und Pedal-Verschleiß abgleichen.
Deutsche Straßenverhältnisse und Winter belasten besonders Fahrwerk, Karosserie und Elektronik.
Budget für Wartung & Instandsetzung
Viele Tiguan-II-Schwachstellen lassen sich beheben. Realistische Werkstattkosten in Deutschland 2026 (in €):
| Problem | Reparatur | Kosten ca. |
|---|---|---|
| Ölverbrauch 2.0 TSI | Kolben/Kurzblock | 4.500–9.000 € |
| DSG-Probleme | Ölwechsel/Mechatronik | 800–3.500 € |
| Schlechte Dämmung | Nachdämmung | 1.200–2.500 € |
| Infotainment-Störungen | Update/Modul-Tausch | 500–1.800 € |
| Rostbehandlung | Unterbodenschutz | 600–2.000 € |
| Fahrwerk (Stoßdämpfer) | Stoßdämpfer-Tausch | 900–2.200 € |
| Inspektionskosten | Öl + Filter | 300–650 € pro Service |
Für ein solides Fahrzeug (120.000–180.000 km, ab 2020) rechnen Sie mit 22.000–36.000 € Kaufpreis + 2.000–6.000 € für erste Durchsicht und Reparaturen. Jährliche Unterhaltskosten ca. 1.200–3.500 €.
Fazit & Kaufempfehlung
Die Schwachstellen des VW Tiguan 2016–2023 machen ihn nicht zum Schlechtkauf – erfordern aber Aufmerksamkeit. Bleibt ein sehr gutes Angebot, wenn Sie einen komfortablen, dynamischen Familien-SUV mit hohem Wiederverkaufswert suchen. Beste Wahl: Facelift-Modelle (2020–2023) mit 2.0 TSI – ausgereifter, weniger Kinderkrankheiten und insgesamt zuverlässiger.
Frühe Benziner (2016–2017) ohne perfekte Historie meiden – Reparaturkosten können explodieren. Besondere Vorsicht bei 2.0 TSI bis 2018: Ölstand, Verbrauch und Kompression prüfen.
Beim Kauf: Komplett-Diagnose (Motor, DSG, Elektronik), Probefahrt (Ruckeln, Geräusche), Karosserie auf Rost kontrollieren, VIN auf offene Rückrufe checken. Bei sorgfältiger Pflege und realistischem Budget läuft ein gut erhaltener Tiguan II problemlos 250.000–350.000 km.