
Die rumänische Marke, lange als „Notlösung“ wahrgenommen, hat sich unerwartet zum Symbol für kühlen Kalkül und gesunden Menschenverstand entwickelt. Dabei handelt es sich nicht um Werbesprüche, sondern um nüchterne Zahlen des deutschen Automobilclubs ADAC – einer Organisation, die man kaum einer Markenpräferenz verdächtigen kann.
Wie Dacia sein Image gewandelt hat
Früher kauften Dacia-Fahrzeuge vor allem jene, die sich nichts „Richtiges“ leisten konnten. Einfache Materialien, veraltete Technik, emotionsloses Design. Doch der Markt hat sich verändert. In den vergangenen Jahren sind die Preise für Neuwagen in Europa um zig Prozent gestiegen – ohne dass Qualität oder Technologie spürbar mitgezogen hätten.
Auch Dacia ist teurer geworden – allerdings deutlich weniger stark. Gleichzeitig hat die Marke das Exterieur aufgewertet, die Innenraumqualität verbessert und die Technik modernisiert. Herausgekommen ist eine interessante Formel: Die Fahrzeuge bleiben bewusst einfach, sind aber längst nicht mehr primitiv. Aus dem „peinlichen Kompromiss“ ist eine bewusste Entscheidung geworden.
Was ein Auto wirklich kostet
Der ADAC hat die Gesamtkosten eines Fahrzeugs über fünf Jahre und 75.000 Kilometer berechnet. Berücksichtigt wurden alle Positionen: Wertverlust, Kraftstoff (Benzin, Diesel, Gas oder Strom), Wartung, Versicherungen und Abgaben. Hier hat Dacia die Konkurrenz regelrecht deklassiert.
Die Marke ist in allen Segmenten, in denen sie vertreten ist, die günstigste im Unterhalt – teilweise mit so großem Abstand, dass es fast schon peinlich für die übrigen Hersteller wird.

Konkrete Zahlen – ohne Schönfärberei
Das günstigste Fahrzeug im Unterhalt ist der Dacia Sandero. Ein Kilometer kostet im Schnitt 0,35 Euro. Zum Vergleich: Der nächste Wettbewerber liegt etwa 0,07 Euro pro Kilometer höher. Das klingt nach Kleinigkeit, summiert sich aber über die Jahre zu Tausenden Euro.
Noch beeindruckender ist der Dacia Bigster. Bei einem großen SUV liegen die Kosten pro Kilometer bei etwa 0,42 Euro. Der Abstand zum nächsten Konkurrenten beträgt fast 0,18 Euro je Kilometer. Über fünf Jahre ergibt das eine Ersparnis von rund 13.800 Euro – genug, um sich ein kleines Gebrauchtfahrzeug zu leisten.
Die günstigsten Autos laut ADAC
- Minicar: Dacia Spring – ca. 0,35 Euro pro km
- Kleinwagen: Dacia Sandero – ca. 0,35 Euro pro km
- Untere Mittelklasse: Dacia Jogger – ca. 0,43 Euro pro km
- Kompakt-SUV: Dacia Duster – ca. 0,44 Euro pro km
- Mittelklasse-SUV: Dacia Bigster – ca. 0,42 Euro pro km

Warum das überhaupt möglich ist
Das Geheimnis ist relativ einfach. Dacia jagt keinen teuren Modetrends hinterher. Es gibt keine überladenen Infotainmentsysteme, komplizierte Fahrwerke oder fragwürdige Designexperimente. Stattdessen bewährte Motoren – inklusive Gasversionen –, eine einfache Konstruktion und vernünftige Wartungskosten.
Vor dem Hintergrund der explosionsartigen Preisentwicklung auf dem europäischen Neuwagenmarkt wirkt Dacia wie eine Insel der Vernunft. Kein Wunder, dass der Sandero dauerhaft zu den meistverkauften Modellen Europas gehört und die Marke inzwischen fast so viele Fahrzeuge absetzt wie manche etablierte Premiummarken zusammen.
Fazit
Dacia steht heute weder für Armut noch für Zwangskompromisse. Die Marke steht für Rationalität: ein Auto, das den Geldbeutel nicht Jahr für Jahr ausblutet. Es fehlen vielleicht die Premium-Gefühle – dafür gibt es Vorhersehbarkeit, beherrschbare Kosten und das gute Gefühl, nicht übervorteilt worden zu sein. In der aktuellen Marktlage zählt das zu den wertvollsten Eigenschaften überhaupt.