
Die Situation rund um Volkswagen und den chinesischen Hersteller Xpeng zeigt, wie eine strategische Zusammenarbeit in einer Region zu direktem Wettbewerb in einer anderen führen kann.
Volkswagen-Investitionen und Fokus auf China
Über Jahrzehnte hinweg hat Volkswagen führende Positionen auf dem chinesischen Automobilmarkt innegehabt. In den letzten Jahren sind die Verkäufe jedoch zurückgegangen, weshalb der Konzern 2023 die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit mit lokalen Herstellern eingestand. Einer dieser Schritte war die Investition von 700 Millionen US-Dollar in Xpeng, was etwa 650 Millionen Euro entspricht.

Im Gegenzug erhielt Volkswagen rund 5 % der Unternehmensanteile sowie Zugang zur fortschrittlichen SiC-Elektroplattform. Auf deren Basis sind zwei Elektro-Crossover für den chinesischen Markt geplant, von denen einer Ende des vergangenen Jahres als ID.Unyx 08 vorgestellt wurde.

Unterschiedliche Märkte – unterschiedliche Interessen
Die Kooperation zwischen den Unternehmen war zunächst ausschließlich auf China beschränkt. In Europa wollte Volkswagen seine Elektromodellreihe eigenständig weiterentwickeln. Xpeng hat jedoch ebenfalls europäische Kunden ins Visier genommen und die Vorbereitungen für einen vollständigen Markteintritt eingeleitet.
Kürzlich wurde auf dem Autosalon in Brüssel die europäische Version der elektrischen Limousine Xpeng P7+ präsentiert. Aufgrund ihrer Abmessungen und ihres Formats steht sie dem Volkswagen ID.7 sehr nahe und macht beide Modelle damit zu direkten Konkurrenten im gleichen Segment.

Positionierung und technische Daten
Der Xpeng P7+ misst 5.071 mm in der Länge und gehört damit zur Kategorie großer Business-Limousinen. Die Basisversion ist mit einer 62-kWh-Batterie ausgestattet, die eine Reichweite von bis zu 455 km nach WLTP-Zyklus ermöglicht. Der angekündigte Preis für diese Variante in Europa liegt bei 43.600 Euro.
Zum Vergleich: Die Einstiegsversion des Volkswagen ID.7 startet bei 54.105 Euro. Sie verfügt über eine 77-kWh-Batterie und eine angegebene Reichweite von 619 km. Höher ausgestattete ID.7-Versionen erreichen bis zu 708 km ohne Nachladen, während der Maximalwert des P7+ bei etwa 530 km liegt.

Laden als entscheidendes Argument
Xpeng legt besonderen Wert auf die Lade-Geschwindigkeit. Die Basisversion des P7+ unterstützt bis zu 350 kW Ladeleistung, die Topversion sogar bis zu 446 kW. Der Volkswagen ID.7 ist hingegen auf maximal 200 kW begrenzt.
Nach Angaben von Xpeng-Vertretern ermöglicht der Einsatz von Batterien mit geringerer Kapazität eine Reduzierung des Fahrzeuggewichts, eine Verbesserung der Fahrdynamik sowie kürzere reale Ladezeiten.

Ausblick auf den Wettbewerb
Die Hauptzielgruppe des Volkswagen ID.7 in Europa bleibt der Flotten- und Firmenkundenbereich, wo langfristige Verträge und etablierte Geschäftsbeziehungen eine entscheidende Rolle spielen. Für einen neuen Marktteilnehmer dürfte der Einstieg in dieses Segment trotz attraktiverem Preis und moderner Technik eine Herausforderung darstellen.

Fazit
Der Markteintritt von Xpeng in Europa verdeutlicht den Wandel in der Struktur der globalen Automobilindustrie. Das Unternehmen, in das Volkswagen investiert hat, um seine Position in China zu stärken, wird nun zum direkten Wettbewerber in Europa. Der Ausgang dieses Wettstreits hängt davon ab, welche Faktoren – Preis, Technologie oder bestehende Marktverbindungen – für die Käufer letztlich am ausschlaggebendsten sind.