
Das Fahrzeug ist objektiv beeindruckend, schnell und technologisch hochentwickelt, doch der Markt – wie sich zeigt – stimmt nicht immer mit dem Portemonnaie so ab, wie es die Ingenieure erwarten.
Warum die Nevera kein Hit wurde
Als 2022 die Produktion des Rimac Nevera startete, war man im Unternehmen überzeugt: Die 150 Exemplare würden schnell verkauft sein. Schließlich fast 2.000 PS, eine Beschleunigung, bei der einem schwarz vor Augen wird, und der Status als einer der schnellsten Serienfahrzeuge der Welt. Doch schon bald zeigte sich, dass selbst unter den Ultrareichen nur wenige bereit sind, mehr als 2 Millionen Euro für einen elektrischen Supercar auszugeben.
Die Situation erinnert ein wenig an die Geschichte des Bugatti Veyron Mitte der 2000er-Jahre. Auch damals mussten immer neue Sondereditionen erfunden werden, um die limitierte Stückzahl abzusetzen. Der Unterschied: Bugatti besaß die Aura einer Legende mit Verbrennungsmotor, während Rimac ausschließlich auf Elektroantrieb setzte.
Nevera R: schneller, leichter – und trotzdem keine Warteschlange
Als Versuch, das Interesse anzukurbeln, kam die Version Nevera R. Die Leistung stieg von 1.914 auf 2.017 PS, das Gewicht sank auf 2.277 kg, die Fahrleistungen wurden noch brutaler. Die Produktion wurde auf 40 Stück begrenzt, der Preis angehoben – und dennoch reichte es nicht.



Founder's Edition: Emotionen und Exklusivität verkaufen
Nun geht Rimac noch einen Schritt weiter und präsentiert die Nevera R Founder's Edition – nur 10 Fahrzeuge. Technisch identisch mit der Nevera R: keine neuen Motoren, keine neuen Batterien. Stattdessen wird den Käufern ein völlig anderes Produkt angeboten – Privilegien.
- Persönliche Einladung in die Rimac-Zentrale in Zagreb
- Treffen mit Mate Rimac und Chefdesigner Franck Hejl
- Tiefe Individualisierung des Fahrzeugs inklusive handbemalter Details
- Mitgliedschaft im Founder's Club mit Zugang zu Veranstaltungen der Marke
- Teilnahme an Diskussionen über die zukünftige Markenstrategie
Im Kern wird den Käufern angeboten, nicht nur Besitzer eines Autos zu sein, sondern Teil des inneren Kreises von Rimac zu werden. Für manche mag das wertvoller sein als ein paar Zehntelsekunden weniger beim Sprint auf 100 km/h.
Die Preisfrage und die zentrale Erkenntnis
Der offizielle Preis der Founder's Edition wurde nicht genannt, die Basisversion der Nevera R kostet jedoch etwa 2,3 Millionen Euro vor Steuern. Offensichtlich wird die neue Variante noch teurer ausfallen. Und ironischerweise dürfte das Interesse vor allem von jenen kommen, die bereits eine Nevera besitzen.
Die gesamte Geschichte zeigt einmal mehr: Selbst im Hypercar-Segment ist der Elektroantrieb noch kein universeller Kundenmagnet. Und die Entscheidung, den zukünftigen Bugatti Tourbillon mit Verbrennungsmotor auszustatten, erscheint aus Sicht des Volkswagen-Konzerns als sehr weitsichtig. Rimac hingegen ist derzeit gezwungen, unkonventionelle Wege zu suchen, um ein Fahrzeug zu verkaufen, das auf dem Papier nahezu perfekt wirkt.