
Die neuen Vorgaben zu CO₂-Emissionen und anderen Schadstoffen machen konventionelle Antriebe zunehmend unattraktiv, während Projekte mit Wasserstoff-Brennstoffzellen allmählich auslaufen. Dadurch werden batterieelektrische Fahrzeuge zur zentralen Entwicklungsrichtung in diesem Segment.

Regulatorischer Druck und seine Folgen
Für neue Pkw in der Schweiz gilt ein Emissionsgrenzwert von 93,6 Gramm CO₂ pro Kilometer, für leichte Nutzfahrzeuge liegt der Grenzwert ab Anfang 2025 bei 153,9 Gramm pro Kilometer. Überschreitungen dieser Werte drohen Importeuren mit hohen Strafen. Hinzu kommt die Einführung der Euro-7-Norm, die erstmals nicht nur den Abgas-, sondern auch den Reifen- und Bremsabrieb regelt.
Unter diesen Bedingungen wird die Elektrifizierung nicht zur Alternative, sondern zur Notwendigkeit. Deshalb bringen die Hersteller verstärkt batterieelektrische Transporter auf den Markt und wenden sich von weniger zukunftsfähigen Technologien ab.

Neue Plattformen statt Umrüstungen
Bislang bestanden die meisten elektrischen Transporter aus Umrüstungen von Verbrennermodellen. Dedizierte Elektroplattformen bieten jedoch deutliche Vorteile: mehr Nutzraum, höhere Energieeffizienz und optimierte Gewichtsverteilung. In den Jahren 2025–2026 kommen genau solche Fahrzeuge auf den Markt.
Korea setzt den Takt
Kia gehörte zu den Ersten, die eine Baureihe gewerblicher Elektrofahrzeuge auf einer eigenen skalierbaren Plattform auf den Markt brachten. Das 4,7 Meter lange Modell PV5 wird in Cargo- und Personenvarianten angeboten. Die Cargo-Version bietet bis zu 4.400 Liter Nutzvolumen und ist für eine Zuladung von bis zu 690 Kilogramm ausgelegt.
Für den PV5 stehen Batterien mit 51,5 und 71,2 Kilowattstunden zur Verfügung, die Reichweiten von bis zu 291 bzw. 416 Kilometern ermöglichen. Die Schnellladung mit Gleichstrom erreicht 160 Kilowatt. Der Einstiegspreis liegt bei etwa 32.000 Euro, Versionen mit größerer Batterie nähern sich 47.000 Euro.

Europäische und chinesische Konkurrenten
Renault bereitet eine neue Generation elektrischer Transporter – Trafic, Estafette und Goelette – auf der softwareorientierten Ampere-Architektur vor. Gleichzeitig wächst der Druck durch chinesische Hersteller. BYD entwickelt für Europa das Modell E-Vali, das bis zu 18.000 Liter Ladevolumen bietet und eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern erreicht.
Die Marke Maxus bietet bereits mehrere Elektrotransporter an, darunter den 4,8 Meter langen e-Deliver 5. Er fasst bis zu 6.600 Liter Ladung und schafft bis zu 335 Kilometer im kombinierten Zyklus sowie bis zu 489 Kilometer im Stadtverkehr.

Die Zukunft des Wasserstoffs
Trotz Interesse an Wasserstofftechnologien wurden große Projekte im Segment leichter Nutzfahrzeuge eingestellt. Der Stellantis-Konzern hat die Serienproduktion von Brennstoffzellen-Transportern eingestellt und konzentriert sich auf batteriebasierte Lösungen. Dies bestätigt den allgemeinen Trend: Wasserstoff bleibt eine Nischenlösung, vor allem für den Schwerlastverkehr.
Fazit
Der Markt für leichte Nutzfahrzeuge befindet sich in einer Phase rascher Elektrifizierung. Neue Plattformen, zunehmender Wettbewerb und Fortschritte bei Batterietechnologien schaffen eine stabile Grundlage für die weitere Ausweitung des Segments. In den kommenden Jahren werden batterieelektrische Transporter zum Standard für städtische und regionale Lieferverkehre.