Hyundai Tucson III (2016–2021) Schwachstellen & Probleme – Gebrauchtwagen-Ratgeber

Hyundai Tucson III (2016–2021): Die echten Schwachstellen – Das müssen Sie vor dem Gebrauchtwagenkauf wissen

Die wichtigsten Schwachstellen des Hyundai Tucson der dritten Generation – unverzichtbare Infos, die jeder Käufer kennen sollte, bevor er diesen beliebten Kompakt-SUV auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt erwirbt

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Der Tucson der dritten Generation (Baujahr 2015–2021) war ein echter Verkaufsschlager – dank attraktivem Design, umfangreicher Ausstattung und hoher Alltagstauglichkeit. Wie jedes Auto hat aber auch er seine bekannten Schwachstellen, die über Kauf oder Nichtkauf entscheiden können. In diesem Ratgeber beleuchten wir die häufigsten Probleme, Unterschiede je nach Baujahr, Besonderheiten des deutschen Marktes und geben konkrete Tipps für die Auswahl. Für den vollständigen Generationen-Check, technische Daten und Innenraum-Bewertung schauen Sie in die anderen Teile der Serie.

Die wichtigsten Schwachstellen der Baureihe

Hyundai Tucson 2016–2021 Probleme betreffen Technik und Alltagsnutzung gleichermaßen. Das sind die häufigsten Kritikpunkte von Besitzern:

  • Geräuschdämmung: Bis zum Facelift 2018 war die Dämmung mäßig – Abroll-, Motor- und Windgeräusche sind ab ca. 100–120 km/h deutlich hörbar. Nach dem Facelift wurde deutlich nachgebessert, auf typischen deutschen Landstraßen mit grobem Asphalt oder Schotter dringt aber immer noch einiges in den Innenraum.
  • Verbrauch: Der Saugbenziner 2.0 MPI (ca. 150–164 PS) verbraucht im Stadtverkehr realistisch 8,5–11 l/100 km – für die Klasse eher hoch. Der 1.6 T-GDI Turbo ist sparsamer (7,5–9 l), verlangt aber Super Plus (98 Oktan), um Klopfen und Langzeitschäden zu vermeiden – Qualität nicht überall konstant.
  • Infotainment: Die 5-Zoll-Displays in den Basisversionen wirken heute veraltet. Auch die 7- und 8-Zoll-Systeme (vor und nach Facelift) können bei Navigation, Apple CarPlay, Android Auto oder Bluetooth-Verbindungen ruckeln.
  • Korrosion: Werksseitig ist der Rostschutz solide, doch an Steinschlagstellen (Motorhaube, Schweller, Radläufe) und unter Türdichtungen entsteht oft Oberflächenrost – besonders bei Fahrzeugen aus salzreichen Wintern.
  • Fahrwerk: Die straffe Abstimmung (McPherson vorn, Mehrlenker hinten) sorgt für gute Fahrdynamik, überträgt aber Unebenheiten deutlich in den Innenraum. Stabilisatoren-Streben und -Buchsen verschleißen meist zwischen 50.000 und 80.000 km.
  • Getriebe: Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (7-DCT) bei 1.6 T-GDI und Dieseln neigt bei Stau und Stop-and-Go zum Überhitzen und Ruckeln. Handschalter und klassische Wandlerautomatik sind robuster, brauchen aber regelmäßige Ölwechsel.
  • Ersatzteile: Manche Originalteile (HTRAC-Komponenten, Turbo des 1.6 T-GDI) sind teuer – 800 bis 3.500 € oder mehr. Qualitäts-Nachbauten sind günstiger, aber mit stark schwankender Haltbarkeit.

Baujahr & Ausstattung: worauf besonders achten

Die Probleme unterscheiden sich je nach Baujahr und Ausstattung. Frühe Modelle (2016–2017) vor Facelift haben mehr Kritikpunkte:

  • 2016–2017: Sehr dünne Dämmung, besonders in Basisversionen. 5-Zoll-Screen ohne CarPlay/Android Auto; 7-Zoll-System langsam. Diesel 1.7 CRDi sehr empfindlich gegenüber schlechtem Kraftstoff → Injektorprobleme. Frühe 7-DCT-Software mit Schaltverhalten-Problemen.
  • Facelift 2018–2021: Deutlich bessere Dämmung, 8-Zoll-Monitor mit aktuellem MirrorLink, 1.6 CRDi-Diesel weniger heikel, 8-Gang-Wandlerautomatik beim 2.0 CRDi (deutlich haltbarer als DCT). Steinschlagrost und Fahrwerksverschleiß bleiben Thema.

Modelle ab 2018 sind meist die bessere Wahl dank verbesserter Elektronik und robusterer Getriebeoptionen.

Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland

Hyundai Tucson Gebraucht ist sehr gefragt: auf mobile.de, autoscout24.de & Co. (Stand Anfang 2026) bewegen sich die Preise für solide Exemplare meist zwischen 14.000 € und 26.000 € je nach Jahr, Kilometerstand und Zustand. Wichtige Merkmale des deutschen Marktes:

  • Karosserie-Zustand: Streusalz und Nässe fördern Rost an Schweller, Radläufen und Falzen. Lackschichtdicken-Messung und Kontrolle unter Dichtungen unerlässlich.
  • Scheckheft & Historie: Viele waren Dienstwagen oder Leasingrückläufer mit 150–220 Tkm. Fordern Sie vollständiges Scheckheft, Rechnungen und HU-Berichte.
  • Echter Kilometerstand: Tachomanipulation kommt vor. Vergleichen Sie Pedale, Lenkrad, Sitze mit angegebenen km; prüfen Sie via CarVertical oder Gutachten.
  • Originalteile: Nach Unfällen oft Nicht-OEM-Teile verbaut. Prüfen Sie Spaltmaße, Lackübergänge und Teilekennzeichnung.
  • Importe: Viele aus NL, BE, PL oder USA. Klären Sie Zollpapiere und ob das Fahrzeug vollständig umverzollt ist.
  • Ausstattung: Basisversionen werden oft als höhere Linie verkauft. Prüfen Sie Zweizonen-Klima, Sensoren, Kamera etc. wirklich vorhanden.

Exemplare mit lückenloser Historie und unter 120.000 km kosten meist ab ca. 18.000–20.000 €. Realistische Marktspanne für gute Zustände: 15.000–25.000 €.

Budget für Wartung & Nachbesserungen

Die meisten Mängel lassen sich beheben – kosten aber Geld. Ungefähre Kosten in Euro (Preisniveau 2026):

  • Zusatzdämmung: Türen, Radläufe, Motorraum – 600–1.500 € (deutliche Verbesserung bei Pre-Facelift)
  • Multimedia-Upgrade: Aftermarket 9–10″-Screen mit CarPlay/Android Auto – 500–1.400 € eingebaut
  • Rostbehandlung: Schweller/Radlauf pro Bereich – 400–1.200 €
  • Fahrwerks-Überholung: Stabilisatoren, Buchsen, Dämpfer – 700–2.200 €
  • 7-DCT-Service: Ölwechsel 300–600 €; Kupplung + Software 2.200–5.000 €
  • Inspektion / Verbrauchsmaterial: Öl, Filter, Bremsen – 350–800 € pro Service

Für einen 120–180 Tkm-Tucson rechnen Sie mit 2.000–4.500 € im ersten Jahr für Nachhol-Wartung. Gute Exemplare mit niedriger Laufleistung liegen bei 18.000–24.000 €, höher belastete bei 14.000–18.000 €.

Fazit & Empfehlungen

Ein gebrauchter Hyundai Tucson III ist auch 2026 noch eine vernünftige Wahl – vorausgesetzt, man sucht sorgfältig aus. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Familien-tauglich, alltagssicher und auf leichten Schotterwegen brauchbar. Die typischen Schwächen und der deutsche Gebrauchtmarkt müssen aber einkalkuliert werden.

Kaufen oder nicht? Ja – besonders Facelift-Modelle 2018–2021 mit klassischem 8-Gang-Automatikgetriebe und 2.0 CRDi (falls vorhanden) oder gut gewartetem 1.6 T-GDI.

Finger weg von? Vorsicht bei hochgelaufenen 2016–2017 mit früher 7-DCT, unklarer Historie oder sichtbarem Rost und vernachlässigter Wartung. Basisversionen mit 5-Zoll-Display wirken schnell antiquiert.

Checkliste für Besichtigung & Probefahrt:

  • Rost an Schweller, Radläufen, Haube prüfen
  • Vollständige Historie & Carfax-ähnlichen Bericht verlangen
  • Getriebe im Stop-and-Go-Verkehr auf Ruckeln testen (besonders DCT)
  • Geräuschkulisse auf Autobahn und schlechten Straßen bewerten
  • Multimedia, Rückfahrkamera, Sensoren komplett durchchecken

Der Sweet-Spot ist meist ein Facelift 2018–2021 in gehobener Ausstattung (Style, Premium o. ä.) mit unter 120.000 km, lückenloser Historie und ohne relevante Unfälle – realistisch 18.000–24.000 €. Bei gründlicher Prüfung und vernünftiger Pflege wird der Tucson III ein sehr zuverlässiger Begleiter auf deutschen Straßen.