
Eine davon betrifft den Lamborghini Diablo, der Ende der 1990er Jahre zur Testplattform für ein Triebwerk wurde, das nicht für Serienmodelle dieser Marke vorgesehen war. Dieser Abschnitt verdeutlicht eindrucksvoll das Ausmaß der ingenieurtechnischen Ambitionen des Volkswagen-Konzerns in jener Zeit.
Die Ambitionen der Ära Ferdinand Piëch
Ende des 20. Jahrhunderts stand Volkswagen unter der Leitung von Ferdinand Karl Piëch – einer Schlüsselfigur bei der Transformation des Konzerns zu einem der weltweiten Marktführer. Sein Ansatz bei der Entwicklung von Automobiltechnik war geprägt von der Jagd nach Rekorden und Lösungen, die andere Hersteller nicht zu wagen wagten. Genau in dieser Phase entstanden Projekte mit großvolumigen Motoren, experimentellen Konfigurationen und extremen Leistungswerten.
Die Übernahme von Bugatti im Jahr 1998 war Teil dieser Strategie. Die Aufgabe war eindeutig: ein Straßenfahrzeug zu schaffen, das in puncto Leistung und Höchstgeschwindigkeit alles Bisherige übertraf. So begann die Arbeit am späteren Veyron.
Die Suche nach der idealen Antriebsarchitektur
In den frühen Phasen prüften die Ingenieure verschiedene Motorkonzepte. Die ersten Bugatti-Konzepte erhielten Saugmotoren mit 18 Zylindern, die aus mehreren Blöcken zusammengesetzt waren. Bald zeigte sich jedoch, dass die angestrebten Leistungsdaten eine kompaktere und effizientere Lösung erforderten.
Das Ergebnis war die Wahl eines W16-Motors mit vier Turboladern. Mit 8,0 Litern Hubraum und einer berechneten Leistung von über 1.000 PS wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 407 km/h als Zielwert festgelegt – keine zufällige Zahl, sondern ein symbolischer Bezug zu Piëchs motorsportlicher Vergangenheit.

Der Lamborghini Diablo als Testträger
Zur Erprobung und Feinabstimmung des neuen Motors wurde ein Fahrzeug mit Mittelmotor-Konzept und passender Architektur benötigt. Der Lamborghini Diablo SV erwies sich als geeigneter Kandidat, da die Marke nach der Übernahme durch Volkswagen den deutschen Ingenieuren zur Verfügung stand.
Der serienmäßige 5,7-Liter-V12-Motor wurde ausgebaut und durch den experimentellen W16 ersetzt. Dafür waren umfangreiche Anpassungen am hinteren Karosseriebereich, am Kühlsystem und am Getriebe erforderlich. Der neue Motor war nahezu doppelt so leistungsstark wie das Serientriebwerk und deutlich schwerer – sein Trockengewicht lag bei etwa 400 kg.
Aufgrund der deutlich höheren Belastungen wurden Fahrwerk und Getriebe verstärkt. Der Diablo verwandelte sich so in ein rollendes Labor, das ausschließlich für Testzwecke diente. Zu jener Zeit kannten nur wenige Eingeweihte die tatsächlichen Ziele dieses Projekts.
Ein bewahrtes Erbe
Der experimentelle Lamborghini wurde nach Abschluss der Tests nicht zerstört. Heute gilt er als Teil des historischen Erbes von Bugatti und befindet sich – nach vorliegenden Informationen – in einer der privaten Sammlungen, die mit der Ära Piëch verbunden sind. Das Fahrzeug ist ein greifbares Zeugnis des Weges, der zur Entstehung des Veyron führte, und der Ressourcen, die für die Erreichung der gesteckten Ziele mobilisiert wurden.
Fazit
Der Einsatz des Lamborghini Diablo zur Erprobung des W16-Motors war eine entscheidende Phase in der Entwicklung des Bugatti Veyron. Das Projekt spiegelt die ingenieurtechnische Philosophie von Volkswagen Ende der 1990er Jahre wider, als technische Möglichkeiten und Ambitionen über die üblichen Grenzen der Serienfertigung gestellt wurden.