
Genau das ist bei Lucid passiert: Der Start des Programms für zertifizierte Gebrauchtwagen hat unerwartet offenbart, wie stark der Wertverlust selbst bei relativ jungen Elektromodellen ausfällt.
Warum Elektroautos ihren Wert kaum halten
Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Automobile, die im Laufe der Zeit an Wert gewinnen. Massenfahrzeuge verlieren fast immer an Wert – bei Elektroautos ist die Situation noch deutlicher. Mehrere Gründe spielen dabei eine Rolle: Das Angebot wächst schneller als die Nachfrage, Batterietechnologien altern rasch und Käufer wissen genau, dass in wenigen Jahren Modelle mit größerer Reichweite und besserer Leistung auf den Markt kommen werden.
Früher war Tesla eine Ausnahme von dieser Regel – die Nachfrage war riesig, die Produktion begrenzt. Doch dieses Zeitfenster hat sich längst geschlossen. Der Markt hat sich verändert und selbst bekannte Namen schützen heute nicht mehr vor Wertverlust.
Wer ist Lucid und warum ist das Unternehmen wieder im Gespräch
Die Geschichte von Lucid begann 2007, als Bernard Tse, ehemaliger Vizepräsident von Tesla, das Unternehmen Atieva gründete. Später stieß Peter Rawlinson, ehemaliger Technikchef von Tesla, zum Projekt hinzu und die Marke erhielt ihren heutigen Namen: Lucid Motors. Das erste Serienfahrzeug, die Limousine Lucid Air, kam erst 2021 auf den Markt, kürzlich folgte der elektrische SUV Gravity.
Dennoch ist das Unternehmen von den Volumina Teslas noch weit entfernt: In den ersten neun Monaten des Jahres lieferte Lucid etwa 10.500 Fahrzeuge an Kunden aus. Für ein Start-up ist das respektabel, im Massenmarkt jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Zertifizierte Gebrauchte: Auf dem Papier verlockend, aber mit einem Haken
Lucid ist der Ansicht, dass bereits genügend Fahrzeuge im Umlauf sind, und hat ein Programm für zertifizierte Gebrauchtwagen gestartet. Die Bedingungen sind streng: Nur Fahrzeuge des Erstbesitzers mit weniger als 100.000 km Laufleistung. Jedes Fahrzeug wird an über 160 Punkten geprüft, alle Mängel werden behoben und auf Wunsch des Kunden kann das Fahrzeug sogar aktualisiert werden – etwa durch Installation neuer Fahrerassistenzsysteme.
Hinzu kommt der verbleibende Teil der vierjährigen Werksgarantie plus weitere 12 Monate sowie ein 24-Stunden-Pannendienst. Auf dem Papier wirkt das Angebot nahezu perfekt.
Preise, die für sich sprechen
Das günstigste Angebot ist ein Lucid Air Pure Baujahr 2023 mit etwa 32.000 km Laufleistung. Dieser Neuwagen kostete rund 66.000 Euro, heute wird er für etwa 42.000 Euro angeboten. Der Wertverlust ist mehr als spürbar.
Sogar ein neuerer Air Touring Baujahr 2024 mit etwa 35.000 km liegt bei ungefähr 52.000 Euro, obwohl er neu in der Größenordnung von 74.000 Euro lag. Die Zahlen sind eindrucksvoll und ehrlich gesagt etwas beunruhigend.
Lohnt sich das am Ende?
Für Käufer eines gebrauchten Elektroautos ist das eine gute Nachricht: Man kann ein technisch hochstehendes und teures Fahrzeug mit erheblichem Rabatt erwerben. Doch es gibt auch die Kehrseite. Der Hersteller selbst zeigt faktisch auf: Wer ein Elektroauto neu kauft, verliert in kurzer Zeit fast zwangsläufig einen beträchtlichen Betrag.
Paradoxerweise beschäftigt die Käufer heute der Wertverlust stärker als Reichweite oder Ladeinfrastruktur. Der „Elektro-Traum“, den Tesla einst ausgelöst hat, hat sich als kurzlebig erwiesen. Und wenn die Autohersteller weiterhin auf einen schnellen und schmerzlosen Abschied vom Verbrennungsmotor setzen, zeigt die Realität bisher ein anderes Bild.