Erstes Serienfahrzeug mit Carbon-Keramik-Bremsen aus der Formel 1 — Auto-News weltweit | automotive24.center

Das erste Serienfahrzeug mit Carbon-Keramik-Bremsen aus der Formel 1

Ein seltenes und fast vergessenes technisches Experiment aus den frühen 2000er-Jahren ist erneut auf dem europäischen Markt für Sammlerfahrzeuge aufgetaucht

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Es handelt sich um das erste Straßenfahrzeug, das Carbon-Keramik-Bremsen erhielt – eine Technologie, die bis dahin ausschließlich in der Formel 1 zum Einsatz kam. Das Modell wurde in limitierter Auflage produziert und weckt heute Interesse weniger als Fortbewegungsmittel, sondern vielmehr als bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Automobiltechnik.

Als Carbon-Keramik noch exotisch war

Heute sind Carbon-Keramik-Bremsen auch in vergleichsweise erschwinglichen Sportmodellen zu finden. Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre sah die Lage jedoch anders aus. Selbst die schnellsten Serien-Straßenfahrzeuge von Ferrari, Lamborghini und Porsche waren damals mit Stahlscheibenbremsen ausgestattet, da Alternativen als zu komplex und teuer für die Serienproduktion galten.

Mercedes-Benz bildete die Ausnahme und wagte den Transfer von Motorsport-Technologie in ein ziviles Modell. So entstand der CL 55 AMG F1 Limited Edition – das erste Serienfahrzeug, das offiziell mit Carbon-Keramik-Bremsen ausgestattet wurde.

Ein unerwarteter Träger revolutionärer Technik

Die Modellwahl war untypisch. Als Basis diente das große und komfortable Coupé CL 55 AMG mit einem atmosphärischen V8-Motor von etwa 360 PS. Es handelte sich nicht um einen Track-Supersportwagen, sondern um einen luxuriösen Gran Turismo, der für hohe Geschwindigkeiten auf Autobahnen ausgelegt war.

Die Sonderausführung F1 Limited Edition unterschied sich äußerlich nur minimal. Die Carbon-Keramik-Bremsen wurden optisch nicht hervorgehoben: dunkle Bremssättel und unauffällige Scheiben hoben sich kaum von den Serienbauteilen ab. Einzig ein kleines Emblem mit Formel-1-Symbolik wies auf die technische Besonderheit des Fahrzeugs hin.

Limitierte Auflage und geringe Laufleistung

Insgesamt wurden nur 55 Exemplare des CL 55 AMG F1 Limited Edition hergestellt. Eines davon wird derzeit zum Verkauf angeboten und befindet sich in nahezu neuwertigem Zustand. Das Fahrzeug wurde 2001 vom Erstbesitzer für rund 170.000 Euro erworben und hat in über 20 Jahren lediglich 28.963 Kilometer zurückgelegt – das entspricht etwa 1.000 Kilometern pro Jahr.

Diese geringe Laufleistung macht das Fahrzeug zu einem seltenen Beispiel einer „Zeitkapsel“, die es ermöglicht, die fortschrittlichen Technologien vom Beginn des Jahrhunderts in ihrem ursprünglichen Zustand zu erleben.

Sammlerwert heute

Im Hinblick auf den praktischen Einsatz unterscheidet sich dieses Fahrzeug kaum von den regulären CL 55 AMG der damaligen Zeit. Seine historische Bedeutung ist jedoch kaum zu überschätzen. Es war das erste Serien-Straßenfahrzeug, das den Weg für Carbon-Keramik-Bremsen in die Großserienproduktion ebnete.

Der aktuelle Preis des Exemplars beträgt 94.900 Euro. Für ein über 20 Jahre altes Coupé erscheint der Betrag hoch, doch im Vergleich zum ursprünglichen Anschaffungspreis und der technologischen Einzigartigkeit spiegelt er vor allem den Sammler- und nicht den Gebrauchswert wider.

Fazit

Der Mercedes-Benz CL 55 AMG F1 Limited Edition bleibt eine wichtige Erinnerung an den Moment, in dem Motorsport-Technologien begannen, in Serien-Straßenfahrzeuge überzugehen. Die geringe Stückzahl und die seltene technische Ausstattung machen dieses Modell zu einer bedeutenden Etappe in der Entwicklung moderner Bremssysteme.