Kälte legt E-Busse lahm – Globale Auto-News | automotive24.center

Kälte stoppt Elektrobusse in der Region Rhein-Neckar: Was passiert ist und warum es relevant ist

Der Vorfall in der deutschen Region Rhein-Neckar dient als anschauliches Beispiel in der laufenden Diskussion über elektrischen ÖPNV

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Mitten im Winter mussten mehr als die Hälfte der Elektrobusse wegen niedriger Temperaturen außer Dienst gestellt werden. Dieser Fall verdeutlicht anschaulich, mit welchen praktischen Herausforderungen eine umfassende Elektrifizierung des Personennahverkehrs unter realen klimatischen Bedingungen konfrontiert sein kann.

Kompletter Umstieg auf Elektrobusse

Der Verkehrsunternehmen Rhein-Neckar-Verkehr (RNV), das die Städte Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen bedient, hat in den vergangenen Jahren seine Busflotte konsequent auf Elektroantrieb umgestellt. Kern der Flotte bilden Gelenkbusse vom Typ Mercedes-Benz eCitaro G, ausgestattet mit Batterien und einem ergänzenden Brennstoffzellensystem. Die Fahrzeuge sind seit 2023 im Einsatz und hatten bis vor Kurzem keine größeren Beanstandungen verursacht.

Mit Einsetzen anhaltender Kälte änderte sich die Lage jedoch schlagartig. Bei Temperaturen um −5 °C – für diese Region durchaus übliche Winterwerte – traten vermehrt technische Ausfälle auf.

Massenausfälle und Streckensperrungen

Nach Angaben des Betreibers waren von 48 Elektrobussen mehr als die Hälfte vorübergehend nicht einsatzfähig. Die Probleme traten Ende des Vorjahres zunächst schleichend auf, erreichten im Januar jedoch kritische Ausmaße. In der Folge mussten einzelne Linien komplett eingestellt und auf anderen die Taktzeiten deutlich ausgedehnt werden.

Erschwerend kam hinzu, dass RNV zuvor vollständig auf Reserve-Dieselbusse verzichtet hatte. Es standen keine Ersatzfahrzeuge zur Verfügung, und auch beim Hersteller – Daimler Buses – gab es keine ausreichende Zahl an Leih- oder Austauschfahrzeugen.

Reaktion von Betreiber und Hersteller

RNV-Vertreter bestätigten, dass die Busse kältebedingte Schäden erlitten hatten und eine kurzfristige Lösung nicht existiere. Daimler Buses erklärte, dass selbst bei umfangreichen Tests neue Technologien in realen Betriebsbedingungen Schwachstellen zeigen können, die sich im Vorfeld nur schwer vollständig abbilden lassen.

Die Fristen für eine Wiederherstellung des stabilen ÖPNV-Betriebs bleiben derweil offen. Die zuständigen Behörden räumten bereits ein, dass eine vollständige Normalisierung des Busverkehrs kurzfristig nicht möglich ist.

Fehlende Alternativen und weitere Strategie

Trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten planen die regionalen Verkehrsunternehmen keine Neubewertung ihrer Strategie und keinen Rückgriff auf einen gemischten Fuhrpark mit Diesel- oder Gasbussen. Der elektrische Antrieb bleibt die ausschließlich verfolgte Richtung – auch unter Berücksichtigung der derzeitigen betrieblichen Risiken.

Der Vorfall in der Rhein-Neckar-Region erregte Aufmerksamkeit in den deutschen Medien und löste eine intensive Fachdebatte aus. Er unterstreicht, dass Zuverlässigkeit im Winterbetrieb sowie die Verfügbarkeit von Rückfalllösungen zentrale Voraussetzungen für einen stabilen Öffentlichen Personennahverkehr bleiben.

Fazit

Die Betriebsstörung bei Elektrobussen unter moderaten Minustemperaturen zeigt, wie wichtig die Berücksichtigung klimatischer Gegebenheiten und von Ausnahmeszenarien bei einem vollständigen Technologiewechsel ist. Die Erfahrung aus der Region Rhein-Neckar liefert ein anschauliches Beispiel dafür, wie technische Grenzen und das Fehlen von Alternativen zu erheblichen Beeinträchtigungen des Verkehrssystems führen können.