
Ein seltenes, eindrucksvolles und wahrhaft ikonisches Fahrzeug – während die Person, die es in Auftrag gab, nicht allein durch Musik berühmt wurde. Die Rede ist von Frank Farian – Produzent von Boney M. und Milli Vanilli, ein Mann mit untrüglichem Musikgespür und sehr flexiblem Verhältnis zur Wahrheit.
Musik, die von den falschen Stimmen gesungen wurde
Lieder wie Daddy Cool oder Rivers of Babylon kennen selbst Menschen, die lange nach den 70er-Jahren geboren wurden. Sie machten Boney M. weltberühmt, doch mit der Zeit kam heraus, dass die Gruppenmitglieder auf der Bühne meist nur den Mund bewegten. Die echte Stimme und die Autorschaft gehörten Farian selbst. Später wiederholte er denselben Trick mit Milli Vanilli – diesmal in deutlich größerem Maßstab und mit weitaus schmerzhafteren Folgen.
Der Skandal kostete die Gruppe den Grammy und dem Produzenten Dutzende Gerichtsverfahren. Wichtig jedoch: Geld kostete er ihn nicht. Die Rechte an den Songs blieben bei ihm, sodass jede Radiowiedergabe weiterhin Einnahmen generierte. Und genau dieses Geld verwandelte sich irgendwann in einen der begehrtesten Sportwagen seiner Zeit.

Seltener BMW M1 – Kauf auf dem Höhepunkt des Ruhms
1979, als Boney M. die Charts anführten, bestellte Farian sich einen BMW M1. Damals kostete er etwa 113.000 D-Mark – eine beträchtliche Summe; heute entspräche das ungefähr 58.000 Euro. Er erhielt das Fahrzeug 1980 und wählte die Farbe Rot – eine Seltenheit selbst unter M1: Nur 71 von 453 Exemplaren wurden in dieser Farbe produziert.
Unter der Haube ein Reihensechszylinder mit 277 PS. Mit dem Motor war der Produzent zufrieden, mit der serienmäßigen Audioanlage jedoch nicht – was angesichts seines Berufs kaum überrascht.
Musik wichtiger als Originalität
Der originale Blaupunkt wich einem Clarion-Verstärker und einem Becker-Mexico-Radio. In den Türen wurden Dreiwege-Lautsprecher verbaut, ein weiteres Paar im Armaturenbrett. Für Ende der 70er-Jahre war das nahezu Studioqualität auf Rädern.
Die eigentliche Verwandlung erfolgte jedoch später.

Fast ein Procar – aber mit Fragezeichen
1987 beschloss Farian, seinen straßentauglichen M1 der Rennversion Procar anzunähern. Das Fahrzeug erhielt:
- Frontspoiler,
- verbreiterte Kotflügel,
- 16-Zoll-BBS-RS-Felgen,
- einen riesigen Heckflügel.
Ob BMW Motorsport an den Umbauten beteiligt war, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Ironie: Selbst hier bleibt der Eindruck einer leichten Täuschung bestehen – es sieht aus wie ein Procar, es wirkt wie ein Procar, doch absolute Gewissheit fehlt. Das Chassis ist jedoch original, wie BMW selbst bestätigt hat.
Verkauf mit einem Hauch von Krimi
Offiziell wurde der M1 1990 an einen Mitarbeiter Farians verkauft, doch später stellte sich heraus, dass das Fahrzeug faktisch weiterhin beim Produzenten blieb. Es scheint der Versuch gewesen zu sein, Vermögenswerte in schwierigen Zeiten nach den Skandalen zu verbergen. Erst 2008 wechselte das Auto wirklich den Besitzer – Gerüchten zufolge nach einem einzigen Telefonat.
2024 fand die Geschichte ihren Abschluss: Beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este wurde dieser BMW M1 für 602.000 Euro verkauft. Für ein 45 Jahre altes Fahrzeug mit etwa 100.000 km Laufleistung ist das ein mehr als respektables Ergebnis.

Ein ehrliches Auto mit unehrlicher Biografie
Farian verstarb im Alter von 82 Jahren und nahm alle Geheimnisse seiner Projekte mit ins Grab. Der BMW M1 hingegen blieb – selten, charismatisch und absolut echt. Vielleicht ist er der ehrlichste Teilnehmer dieser gesamten Geschichte. Und merkwürdigerweise ist es gerade er, der heute den größten Respekt hervorruft.