
Am Beispiel von BMW wird untersucht, warum dieser Weg Kritik hervorruft, welche Gründe hinter den Entscheidungen der Hersteller stehen und welche praktischen Konsequenzen dies für die Fahrer hat.
Touchscreens als neuer Standard
In den letzten Jahren verlagern die Automobilhersteller zunehmend die Bedienung zentraler Fahrzeugfunktionen auf große Touch-Displays. Knöpfe und Drehregler verschwinden und machen Platz für mehrstufige Menüs und virtuelle Icons. Offiziell wird dieser Ansatz mit dem Streben nach Minimalismus und einem „digitalen Zukunfts“-Bild begründet, in der Praxis verändert er jedoch grundlegend die Art und Weise, wie Fahrer mit dem Fahrzeug interagieren.
Selbst bei gut durchdachter Menüstruktur erfordert die Touch-Bedienung, den Blick von der Straße abzuwenden. Im Gegensatz zu physischen Knöpfen, die sich blind bedienen lassen, zwingt der Bildschirm zu ständiger visueller Kontrolle der Fingerposition. Dies schafft einen Widerspruch: Sicherheitssysteme warnen vor Ablenkung, die Bedienoberfläche fördert sie jedoch aktiv.

Sicherheit und Bedienbarkeit: Theorie und Praxis
Studien unabhängiger Institute und Universitäten zeigen, dass Touch-Interfaces im Fahrzeug die Reaktionszeit des Fahrers verlängern. Die Bedienung von Klimaanlage, Navigation oder Sitzheizung über den Bildschirm erweist sich als komplexer und zeitaufwändiger als mit konventionellen Bedienelementen.
Dennoch setzen die Hersteller diesen Weg fort. Die Gründe liegen nicht allein im Design, sondern auch in wirtschaftlichen Überlegungen. Physische Bedienelemente erfordern modell-spezifische Entwicklung, wohingegen ein universelles Display Kosten durch Standardisierung senkt und Funktionen softwareseitig aktualisierbar macht.
Die Geschichte von iDrive und ihr Verzicht
Lange Zeit galt BMW als Vorbild für einen ausgewogeneren Ansatz. Das Anfang der 2000er-Jahre eingeführte iDrive-System kombinierte Bildschirm, Dreh-Drück-Steller und physische Tasten. Im Laufe der Zeit erreichte es ein hohes Maß an Bedienkomfort: Viele Funktionen ließen sich nahezu blind ausführen.
Dennoch hat sich BMW auch von dieser Lösung verabschiedet. In den neueren Modellen verschwindet schrittweise selbst das letzte physische Bedienelement des Multimediasystems. Sämtliche Funktionen wandern auf den Touchscreen, alternative Bedienwege werden eingestellt.

Reaktion des Marktes und Aussagen des Herstellers
Trotz spürbarer Unzufriedenheit bei Teilen der Kundschaft betonen BMW-Vertreter, dass die Nutzer diese Veränderungen überwiegend positiv aufnehmen. Kunden hätten demnach kein Interesse an einer Rückkehr zu klassischen Knöpfen.
Diese Aussagen wirken angesichts der Tatsache umstritten, dass mehrere Wettbewerber bereits begonnen haben, ihre Strategie zu überdenken und physische Bedienelemente für wichtige Funktionen wieder einzuführen. Die Praxis zeigt, dass die reale Nutzungserfahrung deutlich von den Eindrücken auf Messeständen und bei Präsentationen abweicht.
Fazit
Der Verzicht auf physische Bedienelemente ist keine reine Moderscheinung, sondern ein Kompromiss aus Kosteneinsparung, Design und Bedienbarkeit. Das BMW-Beispiel verdeutlicht, dass es keine universelle Lösung gibt. Touchscreens vereinfachen die Produktion, erschweren jedoch die Interaktion mit dem Fahrzeug. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie tragfähig dieser Ansatz ist und ob er an die tatsächlichen Bedürfnisse der Fahrer angepasst wird.