Volkswagen Touareg 7P Probleme: Schwachstellen beim Gebrauchtkauf

VW Touareg II (7P) 2010–2018: typische Probleme und Schwachstellen beim Gebrauchtkauf

Die größte Herausforderung beim Kauf eines gebrauchten Touareg der zweiten Generation ist weniger die Zahl bekannter Schwachstellen als das Verhältnis zwischen aktuellem Fahrzeugwert und möglichen Reparatur- und Wartungskosten.

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Auf dem Gebrauchtwagenmarkt kann ein Volkswagen Touareg 7P inzwischen ähnlich viel kosten wie ein deutlich einfacher aufgebautes Mittelklasse-SUV. Technisch bleibt er jedoch ein schweres Oberklasse-SUV mit längs eingebautem Motor, permanentem Allradantrieb, leistungsfähiger Bremsanlage und je nach Ausstattung zahlreichen komplexen Komfortsystemen.

Deshalb können sich die Schwachstellen des Volkswagen Touareg II von Fahrzeug zu Fahrzeug sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Ein Exemplar benötigt möglicherweise lediglich die üblichen Wartungsarbeiten, während bei einem ähnlich teuren Fahrzeug gleichzeitig Reparaturen an Dieselsystem, Fahrwerk und Elektronik anstehen können. Baujahr und Ausstattung liefern dabei nur eine erste Orientierung. Entscheidend sind Fahrzeughistorie, tatsächliche Laufleistung und bereits ausgeführte Arbeiten.

Weitere Informationen zur Baureihe, zu den technischen Daten und zum Innenraum finden sich in den anderen Artikeln dieser Serie.

Auf dem deutschen Markt dominiert der V6 TDI

Das Angebot gebrauchter Touareg 7P in Deutschland wird deutlich vom 3.0 V6 TDI geprägt. Neben ursprünglich in Deutschland ausgelieferten Fahrzeugen finden sich EU-Importe sowie vereinzelt Fahrzeuge aus Nordamerika oder anderen Märkten. Je nach Herkunft können sich Motorisierung, Abgasnachbehandlung, Infotainment und elektronische Assistenzsysteme unterscheiden.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Vorfacelift und Modellpflege. In Deutschland wurden beim V6 TDI zunächst Leistungsstufen mit 204, 240 beziehungsweise später 245 PS angeboten. Nach dem Facelift 2014 waren vor allem Varianten mit 204 und 262 PS relevant. Die überarbeiteten Diesel erfüllten Euro 6 und verfügten über SCR-Abgasnachbehandlung mit AdBlue. Bei Gebrauchtwagen sollte deshalb geprüft werden, ob EGR, Dieselpartikelfilter und SCR-System vollständig vorhanden und funktionsfähig sind. Softwareseitige Stilllegungen oder technische Manipulationen erschweren nicht nur die Diagnose, sondern können bei späteren Prüfungen zusätzliche Probleme verursachen.

Auch die Laufleistung verdient besondere Aufmerksamkeit. Bei Fahrzeugen aus den Baujahren 2010 bis 2014 sind mehr als 200.000 oder 250.000 km keineswegs ungewöhnlich, insbesondere bei ehemaligen Langstreckenfahrzeugen. Eine auffällig niedrige Kilometerangabe sollte sich durch Wartungsunterlagen, Rechnungen, HU-Berichte und die in Steuergeräten gespeicherten Informationen nachvollziehen lassen.

3.0 V6 TDI: Der Zustand hängt stark vom Einsatzprofil ab

Der 3.0 V6 TDI ist beim Touareg 7P nicht ohne Grund die mit Abstand häufigste Motorisierung. Sein hohes Drehmoment passt gut zum schweren Fahrzeug, während der Verbrauch für ein großes SUV mit permanentem Allradantrieb vergleichsweise moderat bleiben kann. Auf längeren Strecken arbeitet ein technisch einwandfreier Diesel deutlich effizienter als viele Benzinvarianten. Bei häufigen Kurzstrecken, im Winter und im dichten Stadtverkehr schrumpft dieser Vorteil jedoch.

Viele Probleme des Volkswagen Touareg 7P mit Dieselmotor betreffen weniger den mechanischen Grundmotor als die dazugehörige Peripherie. Die Abgasrückführung besteht aus Ventilen, Kühler und weiteren Regelkomponenten. Zusammen mit dem Dieselpartikelfilter reagiert das System empfindlich auf dauerhaft kurze Fahrstrecken, bei denen Motor und Abgasanlage ihre erforderliche Betriebstemperatur nicht regelmäßig erreichen.

Ansaugtrakt, EGR und Dieselpartikelfilter

Ablagerungen im Ansaugtrakt können die Beweglichkeit der Drallklappen und den gleichmäßigen Motorlauf beeinträchtigen. Fehler im Bereich von EGR oder DPF sollten nicht automatisch durch den Austausch des ersten im Fehlerspeicher genannten Sensors behoben werden. Die Ursache kann ebenso bei Undichtigkeiten im Ansaugsystem, einem defekten Differenzdrucksensor, hoher Aschebeladung des Partikelfilters, fehlerhaften Temperatursensoren oder ausbleibender Regeneration liegen.

Ein Teil der Verschmutzungen lässt sich reinigen, einzelne Stellglieder und Sensoren können ohne umfangreiche Demontage ersetzt werden. Ein stark beladener Partikelfilter, ein defekter EGR-Kühler oder ein beschädigter Ansaugkrümmer können dagegen deutlich höhere Reparaturkosten verursachen. Wie teuer die Arbeiten letztlich werden, hängt unter anderem davon ab, ob Originalteile, Austauschteile oder hochwertige Ersatzteile aus dem freien Teilehandel verwendet werden.

Steuerketten und Kühlsystem

Der Steuerkettentrieb sitzt beim V6 TDI an einer schwer zugänglichen Stelle des Motors. Entsprechend arbeitsintensiv kann eine Reparatur ausfallen. Ein kurzes Geräusch beim Start bedeutet nicht automatisch, dass die Ketten sofort ersetzt werden müssen, sollte aber nicht ignoriert werden. Eine fundierte Beurteilung berücksichtigt den Kaltstart, Diagnosewerte der Steuerzeiten und die bisherige Wartungshistorie.

Bei älteren 3.0 TDI sollten außerdem Kühlsystem, Wasserpumpe, Ventile, Wärmetauscher und die Verbindungen im Bereich des Motorblocks auf Undichtigkeiten geprüft werden. Sinkt der Kühlmittelstand langsam, ohne dass äußerlich eine eindeutige Leckstelle zu erkennen ist, sollte die Ursache diagnostiziert und nicht lediglich regelmäßig Kühlmittel nachgefüllt werden. Leichte Ölfeuchte ist bei hoher Laufleistung nicht außergewöhnlich, aktive Undichtigkeiten können jedoch aufwendige Arbeiten erforderlich machen.

Benziner und Hybrid spielen auf dem Gebrauchtmarkt eine Nebenrolle

Neben den Dieselmotoren wurde der Touareg 7P auch mit Benzinantrieb angeboten. Der 3,6-Liter-V6 FSI mit 280 PS ist auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt deutlich seltener als der V6 TDI. Er besitzt weder einen Dieselpartikelfilter noch die SCR-Technik der späteren TDI-Versionen und kann daher für überwiegenden Kurzstreckenbetrieb konzeptionell einfacher sein. Dem steht ein deutlich höherer Kraftstoffverbrauch gegenüber, der insbesondere im Stadtverkehr stark von Verkehr, Jahreszeit und Fahrweise abhängt.

Auch beim V6 FSI sollten Steuerkettentrieb, Kühlsystem und Ansaugtrakt sorgfältig geprüft werden. Durch die Benzindirekteinspritzung können sich mit zunehmender Laufleistung Ablagerungen an den Einlassventilen bilden. Bei aus Nordamerika importierten Exemplaren kommt zusätzlich die Prüfung der dortigen Fahrzeug- und gegebenenfalls Schadenhistorie hinzu. Ein Import ist grundsätzlich kein Mangel, schlecht instand gesetzte Unfallschäden können jedoch Probleme an Karosseriestruktur, Elektrik oder Assistenzsystemen nach sich ziehen.

Deutlich seltener sind der 4.2 V8 TDI mit 340 PS und der 3.0 V6 TSI Hybrid mit 380 PS Systemleistung. Beide bieten wesentlich mehr Leistung, bringen aber zusätzliche beziehungsweise spezifische Technik mit. Bei solchen gebrauchten Touareg ist deshalb die Verfügbarkeit eines mit der jeweiligen Variante vertrauten Fachbetriebs mindestens ebenso wichtig wie ein niedriger Kaufpreis.

Automatik und Allradantrieb sollten sorgfältig geprüft werden

Die Achtgang-Automatik ist für hohe Drehmomente ausgelegt. Bei Fahrzeugen, die inzwischen deutlich älter als zehn Jahre sein können, sollte dennoch die Wartungshistorie berücksichtigt werden. Fehlende Nachweise über Arbeiten am Getriebe bedeuten nicht automatisch einen Defekt, erhöhen aber die Unsicherheit bei der Bewertung des Fahrzeugs.

Bei der Probefahrt sollten beim Einlegen von Drive oder Reverse keine ungewöhnlich langen Verzögerungen auftreten. Harte Schläge bei ruhigen Gangwechseln oder deutliche Vibrationen im Bereich der Wandlerüberbrückung verdienen ebenfalls eine genauere Diagnose. Nicht jedes Ruckeln stammt allerdings direkt aus dem Automatikgetriebe. Ähnliche Symptome können von Motor- und Getriebelagern, Kardanwelle, inneren Antriebsgelenken oder Bauteilen des Verteilergetriebes verursacht werden.

Die meisten Touareg 7P verfügen über permanenten Allradantrieb 4MOTION. Daneben gab es aufwendigere 4XMOTION- beziehungsweise Terrain-Tech-Ausführungen mit Geländeuntersetzung und zusätzlichen Sperrfunktionen. Für anspruchsvollen Einsatz abseits befestigter Straßen bietet diese Technik Vorteile, auf dem Gebrauchtwagenmarkt sollten jedoch alle Betriebsarten auf korrekte Funktion und ungewöhnliche Geräusche geprüft werden.

Vibrationen bei höherem Tempo sind ebenfalls nicht automatisch ein Problem des Antriebsstrangs. Das hohe Fahrzeuggewicht macht den Touareg empfindlich gegenüber schlecht ausgewuchteten Rädern, beschädigten Felgen, ungleichmäßig abgefahrenen Reifen und verschlissenen Bremskomponenten. Sinnvoll ist deshalb eine schrittweise Diagnose von Rädern und Bremsen bis hin zu Antriebswellen und Verteilergetriebe.

Die Luftfederung am besten nach längerer Standzeit prüfen

Die optionale Luftfederung erweitert die Möglichkeiten des Touareg deutlich, bringt aber zusätzliche Komponenten wie Kompressor, Ventilblock, Luftleitungen, Höhensensoren und Luftfederelemente mit sich. Verschleißt eines dieser Bauteile, kann dies weitere Komponenten belasten. Bereits eine kleine Undichtigkeit kann beispielsweise dazu führen, dass der Kompressor häufiger arbeitet.

Eine Besichtigung ist ideal, wenn das Fahrzeug zuvor mehrere Stunden gestanden hat. Die Karosserie sollte gleichmäßig auf ihrer Höhe stehen. Nach dem Start muss sich das Fahrwerk ohne außergewöhnlich lange Kompressorlaufzeiten oder Warnmeldungen regulieren lassen. Eine unterschiedliche Fahrzeughöhe bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein komplettes Federbein defekt ist. Ursache können auch Leitungen, Anschlüsse, Ventile oder Höhensensoren sein.

Eine Reparatur der Luftfederung bedeutet nicht zwangsläufig, sämtliche Komponenten komplett zu ersetzen. Abhängig vom Defekt sind Reparaturen an Leitungen, der Austausch einzelner Luftfederelemente oder die Verwendung fachgerecht überholter Komponenten möglich. Steht das Fahrzeug jedoch bereits deutlich schief oder lässt sich die Bodenfreiheit nicht mehr verändern, sollte vor dem Kauf ein konkreter Reparaturbedarf ermittelt werden.

Das konventionelle Stahlfederfahrwerk ist konstruktiv einfacher, verhindert altersbedingte Kosten jedoch nicht. Das hohe Fahrzeuggewicht belastet Querlenker, Buchsen, Radlager und Bremsen. Große und schwere Räder mit niedrigem Reifenquerschnitt können den Verschleiß zusätzlich erhöhen und reagieren empfindlicher auf schlechte Fahrbahnoberflächen.

Mit dem Alter nehmen auch Elektronikthemen zu

Ein technisch intakter Touareg bietet auch nach vielen Jahren ein niedriges Geräuschniveau auf Langstrecken. Mit zunehmendem Alter hängt der Eindruck jedoch stärker vom Zustand der Reifen, Türdichtungen und eventuell ausgeführter Karosseriereparaturen ab. Ein verschlissenes Radlager, sägezahnartig abgefahrene Reifen oder falsch montierte Unterbodenverkleidungen können beispielsweise als allgemein schlechtere Geräuschdämmung wahrgenommen werden.

Das Infotainmentsystem RNS 850 war zu seiner Zeit umfangreich ausgestattet, wirkt heute hinsichtlich Grafik, Reaktionsgeschwindigkeit und Smartphone-Integration jedoch veraltet. Nachrüstmodule für Apple CarPlay oder Android Auto können die Nutzung moderner Smartphones erleichtern. Nach solchen Umbauten sollten allerdings Kameras, Audiosystem, Lenkradtasten und die Anzeige von Fahrzeuginformationen vollständig getestet werden.

Im Innenraum zeigen sich Verschleißspuren häufig an der äußeren Wange des Fahrersitzes, am Lederlenkrad und an häufig verwendeten Tasten. Hochglanzoberflächen bekommen relativ schnell feine Kratzer. Solange Elektronik und Bedienelemente funktionieren und der Innenraum nicht mehrfach unsachgemäß zerlegt wurde, sind solche Spuren eher eine Alterserscheinung als ein gravierender Mangel.

Bei Fahrzeugen mit Panoramadach sollte auf Feuchtigkeit am Dachhimmel, an den Säulen und unter den Teppichen geachtet werden. Verstopfte oder undichte Abläufe können langfristig auch Kabel und elektronische Steuergeräte beeinträchtigen. Darüber hinaus sollten Sitzheizung und gegebenenfalls Sitzbelüftung, Kameras, Keyless-System, sämtliche Klimazonen und die elektrische Heckklappe nacheinander getestet werden.

Bei der Karosserie zählt mehr als nur die Lackschichtdicke

Ausgeprägte Korrosion gilt nicht als charakteristisches Hauptproblem der Baureihe. Alter, Feuchtigkeit und winterliches Streusalz machen eine Kontrolle von Unterboden, Fahrwerksaufnahmen, Bremsleitungen und beschädigten Stellen der Schutzbeschichtung dennoch sinnvoll. Oberflächliche Korrosion an Fahrwerksteilen ist anders zu bewerten als Rost an Schweißnähten oder tragenden Karosseriestrukturen.

Eine Lackschichtmessung am gesamten Fahrzeug kann Hinweise auf frühere Reparaturen liefern. Eine nachlackierte Tür oder ein ersetzter Kotflügel sagt für sich genommen jedoch wenig über die Gesamtqualität des Fahrzeugs aus. Wichtiger sind Karosseriegeometrie, tragende Strukturen, Schweißnähte, Befestigungspunkte und eine fachgerechte Wiederherstellung der Sicherheitssysteme. Bei Importfahrzeugen sollten VIN-Daten und tatsächliche Ausstattung miteinander abgeglichen werden. Nach Unfallschäden ausgetauschte Scheinwerfer, Kameras oder Steuergeräte können bei fehlerhafter Reparatur dauerhafte Fehlereinträge oder eingeschränkte Assistenzfunktionen verursachen.

Wie sich mögliche Folgekosten einschätzen lassen

Viele altersbedingte Schwachstellen des Touareg sind grundsätzlich reparierbar. Fahrwerk, Bremsen, Kameras, Infotainment und einzelne Innenraumkomponenten lassen sich instand setzen, und für den in Deutschland weit verbreiteten V6 TDI steht ein umfangreicher Ersatzteilmarkt zur Verfügung. Entscheidend ist weniger ein einzelner Defekt als die Frage, wie viele größere Arbeiten gleichzeitig anstehen.

Nach dem Kauf sollte deshalb finanzieller Spielraum für eine vollständige Grundwartung und die Beseitigung bereits erkannter Mängel vorhanden sein. Zeigt die Diagnose gleichzeitig Auffälligkeiten am Steuerkettentrieb, an der Abgasnachbehandlung und an der Luftfederung, kann eine geringe Preisersparnis beim Fahrzeugkauf schnell an Bedeutung verlieren.

Für den deutschen Gebrauchtwagenmarkt sind gepflegte 3.0 V6 TDI mit nachvollziehbarer Laufleistung meist die am einfachsten einzuordnenden Varianten. Vor dem Facelift finden sich Motoren mit 204, 240 und später 245 PS. Nach der Modellpflege wurden vor allem die Euro-6-Versionen mit 204 und 262 PS angeboten, die zusätzlich über SCR-Abgasnachbehandlung mit AdBlue verfügen. Der 3.6 V6 FSI, der V6 TSI Hybrid und der V8 TDI sind deutlich seltener und sollten aufgrund ihrer spezifischen Technik besonders sorgfältig geprüft werden.

Vom Volkswagen Touareg II muss man weder allein wegen seines Alters noch wegen seiner komplexen Konstruktion grundsätzlich Abstand nehmen. Der Kauf sollte jedoch erst nach einer fachkundigen Diagnose von Motor, Getriebe, Allradantrieb, Fahrwerk und Elektronik erfolgen. Bei dieser Baureihe sind der Zustand des konkreten Fahrzeugs und eine nachvollziehbare Wartungshistorie meist wichtiger als Facelift, Motorleistung oder eine besonders lange Ausstattungsliste.