
Die Möglichkeit, sich durch die Luft fortzubewegen, verspricht kürzere Reisezeiten und eine geringere Abhängigkeit von der Straßeninfrastruktur. In den vergangenen Jahren haben sich auch große Automobilkonzerne an der Entwicklung entsprechender Lösungen beteiligt. Die Praxis zeigt jedoch, dass solche Projekte mit erheblichen technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten verbunden sind. Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Initiative von Hyundai und dessen Tochterunternehmen Supernal.
Ein ambitioniertes Luftverkehrsprojekt
Vor einigen Jahren kündigte Hyundai an, ein neues Geschäftsfeld für urbane Luftmobilität aufzubauen. Zu diesem Zweck wurde 2020 das Unternehmen Supernal gegründet, das kompakte Fluggeräte für die Personenbeförderung über kurze Strecken entwickeln sollte.

Die Fluggeräte sollten wie Hubschrauber senkrecht starten und landen können, zugleich aber einfacher, leiser und kostengünstiger zu betreiben sein. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung elektrisch angetriebener Fluggeräte für den Stadtverkehr – einer Art Lufttaxi.
Im Rahmen des Projekts wurden mehrere Konzepte vorgestellt. Zunächst präsentierte das Unternehmen das Modell S-A1, später folgte die weiterentwickelte Version S-A2. Letztere war als viersitziges Fluggerät für Strecken von bis zu rund 100 Kilometern vorgesehen.

Investitionen und Aufbau der Produktion
Die Entwicklung des Projekts wurde von umfangreichen Investitionen begleitet. Hyundai steckte rund 1,7 Milliarden US-Dollar in das Vorhaben. In den USA begann zudem die Vorbereitung der Infrastruktur für die künftige Produktion dieser Fluggeräte.
Das Unternehmen ging davon aus, dass sich diese neue Verkehrskategorie langfristig eine Nische im urbanen Personenverkehr sichern könnte, insbesondere in Metropolen mit stark belasteten Straßen. Luftkorridore sollten die Reisezeiten zwischen verschiedenen Stadtteilen deutlich verkürzen.

Schwierigkeiten und Stellenabbau
Die Umsetzung des Projekts erwies sich jedoch als schwieriger als erwartet. Nach den ersten Testphasen und den Vorbereitungen für die Produktion verlangsamte sich die Entwicklung. Im Sommer vergangenen Jahres kündigte das Unternehmen den Abbau eines Teils der Belegschaft an.
Später folgten weitere Maßnahmen zur Kostensenkung. US-Medienberichten zufolge entließ das Unternehmen nochmals rund 296 Beschäftigte. Das entspricht etwa 80 % der verbliebenen Belegschaft. Diese Schritte deuten auf eine erhebliche Anpassung der weiteren Projektplanung hin.
Eine vollständige Einstellung des Programms hat das Unternehmen offiziell nicht angekündigt. Der Personalabbau und die Überprüfung der Strategie zeigen jedoch, dass sich das Projekt in einer umfassenden Umstrukturierungsphase befindet.

Ein neuer Entwicklungsansatz
Die neue Strategie sieht vor, die Entwicklungskosten zu senken und die bisherigen Arbeitsabläufe zu überarbeiten. Einige Prozesse sollen mithilfe künstlicher Intelligenz automatisiert werden. Gleichzeitig wird eine deutlich kleinere Gruppe von Fachkräften weiter an dem Projekt arbeiten.
Diese Änderungen könnten auf den Übergang zu einem vorsichtigeren Entwicklungsmodell hindeuten, bei dem die weiteren Forschungsarbeiten mit geringerem finanziellen Aufwand fortgesetzt werden.
Fazit
Die Entwicklung von Supernal verdeutlicht, wie anspruchsvoll die Einführung eines Luftverkehrssystems für den Massenmarkt weiterhin ist. Trotz hoher Investitionen und des Interesses großer Automobilhersteller erschweren technische, infrastrukturelle und wirtschaftliche Faktoren die Umsetzung solcher Konzepte erheblich. Der Personalabbau und die strategische Neuausrichtung bei Hyundais Tochterunternehmen zeigen, dass die Entwicklung fliegender Fahrzeuge wesentlich mehr Zeit und Ressourcen erfordern dürfte, als in der Anfangsphase des Projekts angenommen wurde.