
Ein solches Beispiel ist das Cabriolet auf Basis des BMW M5 aus den frühen 1990er-Jahren. Das Fahrzeug war vollständig entwickelt und sollte öffentlich vorgestellt werden, doch die Unternehmensleitung entschied sich nur wenige Tage vor der Präsentation gegen eine Markteinführung. Die Geschichte zeigt, wie strategische Entscheidungen selbst das Schicksal eines fertig entwickelten Modells verändern können.
Die Entstehung der M5-Legende
Die erste Generation des BMW M5 erschien 1984 und entwickelte sich schnell zu einem wegweisenden Modell. Die Limousine galt damals als schnellster viertüriger Serienwagen der Welt. Ihre hohe Fahrleistung und die vergleichsweise geringe Stückzahl machten sie für Käufer besonders attraktiv.
Obwohl rund 2.241 Fahrzeuge verkauft wurden, übertraf die Nachfrage die Erwartungen des Unternehmens. BMW verlängerte deshalb sogar die Produktion, was bei einigen Kunden für Unmut sorgte, da sie mit einem exklusiveren Fahrzeug gerechnet hatten.
Die Entwicklung der zweiten Generation
Für die nächste M5-Generation mit der Baureihenbezeichnung E34 verfolgte BMW ein ehrgeizigeres Modellprogramm. Neben der Limousine kam auch ein Touring ins Angebot, was bei Fahrzeugen dieser Klasse damals eine Besonderheit war. Die BMW-Ingenieure prüften jedoch noch eine weitere ungewöhnliche Variante: ein Cabriolet.
Das Projekt blieb nicht auf Zeichnungen beschränkt. BMW baute einen voll funktionsfähigen Prototyp mit Stoffverdeck. Das Fahrzeug war fertiggestellt und sollte auf dem internationalen Genfer Autosalon präsentiert werden.

Projekt kurz vor der Premiere gestoppt
Trotz der abgeschlossenen Entwicklung stoppte die BMW-Führung das Projekt in letzter Minute. Nach den verfügbaren Informationen fiel die Entscheidung etwa eine Woche vor der geplanten Präsentation des Fahrzeugs.
Als Hauptgrund galten Befürchtungen, dass das M5 Cabriolet die Verkäufe der offenen Modelle der BMW 3er-Reihe beeinträchtigen könnte. Das Unternehmen ging offenbar davon aus, dass das stärkere und teurere Modell einen Teil der Nachfrage auf sich ziehen würde.
Der voraussichtliche Preis des Fahrzeugs sollte allerdings bei rund 70.000 US-Dollar liegen und damit deutlich über dem Preis der Cabriolets der kleineren Baureihe. Wie stark die Modelle tatsächlich miteinander konkurriert hätten, bleibt daher umstritten.

Technische Besonderheiten des Prototyps
Das M5 Cabriolet basierte auf der Baureihe E34 und wurde von einem 3,8-Liter-Reihensechszylinder angetrieben. Das Triebwerk leistete rund 340 PS.
Der Motor war mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe gekoppelt, das die Kraft an die Hinterräder übertrug. Die Karosseriestruktur wurde für die Montage eines hydraulisch betätigten Stoffverdecks angepasst.
Um die Dachmechanik unterzubringen, mussten die Ingenieure den Kofferraumbereich verlängern. Dennoch bot das Fahrzeug weiterhin genügend Platz für das Gepäck von vier Personen und entsprach damit dem Konzept eines sportlichen, zugleich aber alltagstauglichen Autos.

Die weitere Geschichte des Modells
Nach dem Aus für das Projekt blieb der Prototyp viele Jahre in den nicht öffentlich zugänglichen Sammlungen des Unternehmens. Erst deutlich später wurde das Fahrzeug gemeinsam mit anderen experimentellen Modellen der BMW M GmbH der Öffentlichkeit gezeigt.
Bemerkenswert ist, dass zeitweise auch die nachfolgende M5-Generation E39 infrage stand. BMW setzte die Baureihe letztlich jedoch fort. Die neue Version wurde mit einem Achtzylindermotor ausgestattet, erreichte wesentlich höhere Stückzahlen und entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten M5-Generationen.
Fazit
Die Geschichte des BMW M5 Cabriolet zeigt, wie weit Projekte bis zur Serienfertigung voranschreiten können, ohne jemals auf den Markt zu kommen. Obwohl das Fahrzeug vollständig entwickelt war, führten strategische Überlegungen zur Einstellung des Modells. Heute gilt der Prototyp als bemerkenswertes Kapitel der BMW-Historie und vermittelt einen Eindruck davon, welchen Weg die berühmte M5-Baureihe hätte einschlagen können.