Gordon Murray über moderne Autos und Fortschritt | Auto-News | automotive24.center

Gordon Murray: Warum technischer Fortschritt nicht immer bessere Autos bedeutet

Die Automobilbranche entwickelt sich rasant weiter – doch eine Legende wie Gordon Murray sieht darin nicht nur Vorteile, sondern auch den Verlust wahrer Fahrfreude

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Einer der einflussreichsten Ingenieure in der Geschichte des Motorsports und der Serienfahrzeuge, Gordon Murray, ist überzeugt, dass viele moderne Autos in ihrem Kern schlechter geworden sind. Seine Sicht basiert nicht auf Nostalgie, sondern auf ingenieurtechnischer Logik und jahrzehntelanger Praxiserfahrung.

Formel-1-Erfahrung und der Sprung zu Straßensportwagen

Gordon Murrays Name ist untrennbar mit der goldenen Ära der Formel 1 verbunden. Seine Entwicklungen für Brabham und McLaren legten den Grundstein für Weltmeisterschaften und technische Dominanz Ende der 1980er-Jahre. Irgendwann zog er sich jedoch aus dem Rennsport zurück, weil er die übermäßige Regulierung als Einschränkung kreativer Ingenieurskunst empfand.

Der nächste Meilenstein war der McLaren F1 – ein Straßensportwagen, der bis heute als Maßstab ingenieurtechnischer Exzellenz gilt. Saugender 6,1-Liter-V12, minimales Gewicht und konsequente Fahrerorientierung machten ihn einzigartig. Jahrzehnte später griff Murray diese Prinzipien beim GMA T.50 wieder auf und verfeinerte sie mit aktueller Technik.

Warum moderne Autos oft enttäuschen

Nach Ansicht des Konstrukteurs sind die meisten neuen Fahrzeuge zu groß und zu schwer geworden. Den Zuwachs an Abmessungen und Masse führt er weniger auf Sicherheitsanforderungen als auf Marketingentscheidungen und Designtrends zurück. Das Ergebnis: geringere Effizienz und Innenräume, die vom Mehr an Volumen selten wirklich profitieren.

Murray betont, dass Sportwagen wesentliche Qualitäten verloren haben: ideale Sitzposition, minimales Gewicht und technische Ehrlichkeit. Stattdessen dominieren komplexe Elektroniksysteme und universelle Plattformen für die Massenproduktion.

Sieben Prinzipien eines echten Fahrerautos

Der Ingenieur nennt mehrere Kriterien, die seiner Meinung nach herausragende Autos erfüllen sollten:

  • korrekte und natürliche Fahrposition;
  • möglichst geringes Gewicht;
  • sinnvoller Einsatz von Technologie;
  • klare Markenidentität;
  • Ästhetik, die der Funktion folgt;
  • limitierte Stückzahlen;
  • Berücksichtigung individueller Kundenwünsche.

Die heutige Großserienindustrie, so Murray, ignoriert diese Grundsätze weitgehend.

Lehren aus der Vergangenheit und Alltagsautos

Murrays Kritik beschränkt sich nicht auf Supersportwagen. Er lobt Modelle wie den ersten Renault Espace – kompakt außen, aber geräumig und leicht innen. Ähnliche Vorzüge sieht er bei den frühen Generationen der Mercedes-Benz A-Klasse.

Im Vergleich dazu wirken viele aktuelle Kompaktwagen und Crossover größer, aber oft weniger praktisch. Mehr Gewicht und kompliziertere Formen führen nicht automatisch zu besseren Alltagseigenschaften.

Fazit

Gordon Murrays Haltung steht für einen Ingenieursansatz, bei dem Funktionalität, Leichtbau und Mensch im Mittelpunkt stehen. Sie zeigt, dass technischer Fortschritt nicht zwangsläufig bessere Autos hervorbringt – und dass viele Lösungen der Vergangenheit nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.