China trifft den deutschen Luxus: Neue Steuer belastet Mercedes, BMW, Audi, Porsche und Land Rover

China trifft den deutschen Luxus: Neue Steuerschwelle belastet Audi, BMW und Mercedes

Die deutschen Premium-Hersteller stehen bereits vor vielfältigen Herausforderungen – nun kommt aus ihrem wichtigsten Markt eine weitere Belastung hinzu.

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Der Übergang zu Elektrofahrzeugen gestaltet sich schwierig, die Verkäufe in Europa sinken und der Wettbewerb nimmt weiter zu. Ausgerechnet jetzt hat China – ihr mit Abstand größter Markt – die Daumenschrauben angezogen.

Neue Steuerschwelle

Ab dem 20. Juli gilt in China eine neue Regel: Fahrzeuge werden bereits ab 900.000 Yuan (rund 115.000 Euro oder 126.000 US-Dollar) als «Luxus» eingestuft. Die bisherige Grenze lag bei 1,3 Millionen Yuan (ca. 167.000 Euro). Alles darüber wird mit einer zusätzlichen Verbrauchssteuer von 10 % belegt. In einem Markt, in dem vor allem Top-Ausstattungen und Langversionen dominieren, trifft diese Maßnahme direkt die profitabelsten Modelle.

Am stärksten betroffene Marken

  • Mercedes-Benz — unangefochtener Marktführer im Ultra-Premium-Segment. In China entfallen rund die Hälfte aller Verkäufe oberhalb von 1 Million Yuan auf die Marke mit dem Stern. Ein großer Teil der Modellpalette fällt nun in die steuerpflichtige Zone.
  • Land Rover — hält etwa ein Viertel des High-End-SUV-Marktes. Vertreter der Marke haben bereits angekündigt, die Steuer selbst zu tragen, um die Verkaufszahlen nicht einbrechen zu lassen.
  • Porsche — kommt auf rund 18 % Marktanteil in diesem Segment. Einige Taycan-Varianten lassen sich mit Rabatten noch unter die Grenze bringen – eine langfristige Strategie, die jedoch das Markenimage gefährden könnte.
  • Audi — vergleichsweise gering betroffen. Nur zwei Modelle überschreiten die neue Schwelle: der RS6 und die ausschließlich für China gebaute Langversion A8L Horch.
  • BMW — deutlich stärker getroffen: Gleich sieben Modelle fallen nun unter die Steuer, vor allem M-Varianten und die 7er-Reihe.

Ein Timing, das nach Vergeltung aussieht

Offiziell begründen die chinesischen Behörden die Maßnahme mit der Förderung «vernünftigen Konsums». Das Timing lässt sich jedoch kaum übersehen: Es folgt unmittelbar auf die EU-Zölle gegen chinesische Elektrofahrzeuge. Während Brüssel den eigenen Markt schützen wollte, trifft die Gegenmaßnahme vor allem die etablierten europäischen Premium-Marken, für die China längst zum wichtigsten Gewinnbringer geworden ist.

Was kommt als Nächstes?

Kurzfristig werden mehrere Marken die Steuer voraussichtlich selbst übernehmen, um die Listenpreise stabil zu halten. Diese Strategie ist jedoch nicht dauerhaft durchhaltbar. Früher oder später erscheinen Preiserhöhungen unvermeidlich – und höhere Preise führen in der Regel zu rückläufiger Nachfrage. Es entsteht ein Teufelskreis: Weniger Verkäufe, Stellenabbau, geringere Steuereinnahmen und verstärkte Krisendiskussionen.

Beobachtung

Die Gestaltung der neuen Schwelle ist bemerkenswert präzise: Sie trifft nur sehr wenige lokale Premium-Modelle (lediglich einzelne Versionen von BYD und Huawei), belastet jedoch die deutschen Marken, die das Segment dominieren, voll. Die Maßnahme könnte eine nachhaltige Umstrukturierung des chinesischen Luxusautomarkts beschleunigen – mit weitreichenden Folgen für das globale Premium-Segment.