
Ein markantes Beispiel ist der Ansatz von Hyundai, der in seine Modelle Systeme mit künstlichem Sound und „virtuellen“ Gangwechseln integriert. Diese Entscheidung wirft Fragen zur künftigen Ausrichtung der Automobiltechnologie auf und darüber, welche Aufgaben diese Funktionen tatsächlich erfüllen.
Elektroauto mit dem Charakter eines Benziners
Im Jahr 2023 präsentierte Hyundai die sportliche Version des elektrischen Crossovers Ioniq 5 N. Das Modell verfügt über zwei Elektromotoren mit einer kombinierten Leistung von bis zu 650 PS im temporären Boost-Modus. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in etwa 3,4 Sekunden und liegt damit auf dem Niveau moderner Sportwagen.
Die eigentliche Besonderheit sind jedoch nicht allein die dynamischen Werte, sondern die zusätzlichen Systeme, die die Wahrnehmung des Fahrzeugs verändern. Dabei handelt es sich um Technologien, die den Sound eines Benzinmotors und den Betrieb eines klassischen Getriebes simulieren. Obwohl mechanisch nicht notwendig, kann das Fahrzeug charakteristische Schaltvorgänge und die vertraute Geräuschkulisse von Verbrennungsmotor-Modellen reproduzieren.
Wozu dient die Simulation?
Elektrofahrzeuge zeichnen sich durch eine sanfte, lineare Leistungsentfaltung und das Fehlen eines gestuften Getriebes aus. Für manche Fahrer wird dies als Mangel an emotionaler Beteiligung am Fahrprozess wahrgenommen. Als Reaktion darauf begannen Hersteller, Elemente hinzuzufügen, die ein vertrauteres Fahrgefühl erzeugen.
Hyundai begründet diese Lösungen mit dem Ziel, die Zielgruppe zu erweitern und Elektrofahrzeuge emotional ansprechender zu machen. Die Systeme können deaktiviert werden, sodass das Fahrzeug in den Standard-Elektromodus zurückkehrt.
Ausweitung der Technologie auf weitere Modelle
Nach Angaben von Unternehmensvertretern sollen ähnliche Funktionen auch in anderen Elektrofahrzeugen der Marke eingeführt werden. Sie werden jedoch nicht in allen Versionen verfügbar sein – für den Betrieb solcher Systeme ist eine bestimmte Leistungsstufe erforderlich.
- Die Simulation von Gangwechseln erfordert hohe Motorleistung
- Der künstliche Sound kann je nach Modus variieren
- Die Funktionen bleiben optional und abschaltbar
Auf diese Weise setzt der Hersteller auf Flexibilität: Der Fahrer kann zwischen dem typischen Verhalten eines Elektrofahrzeugs und einem eher „klassischen“ Fahrstil wählen.

Marktreaktion und Alternativen
Diese Lösungen stoßen auf gemischte Reaktionen. Einerseits können sie neue Kunden ansprechen, die an Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gewöhnt sind. Andererseits sieht ein Teil der Öffentlichkeit darin einen Verzicht auf die Kernvorteile der elektrischen Plattform wie mechanische Einfachheit und sanfte Kraftentfaltung.
Ein weiterer Faktor ist der Preis. Hochleistungs-Elektromodelle bewegen sich im selben Preissegment wie traditionelle Sportwagen mit Benzinmotoren, was den Wettbewerb zwischen beiden Ansätzen verschärft.
Fazit
Der Einsatz von simulierten Motorgeräuschen und Gangwechseln in Elektrofahrzeugen spiegelt den Versuch wider, die neue Technologie an traditionelle Fahrererwartungen anzupassen. Dieser Ansatz kann die Attraktivität vergrößern, wirft jedoch gleichzeitig die Frage auf, ob es sinnvoll ist, auf die natürlichen Vorteile elektrischer Antriebe zu verzichten. Die weitere Entwicklung dieses Konzepts wird von der Marktreaktion und den Präferenzen der Käufer abhängen.