Hyundai entwickelt virtuelles Schaltgetriebe für neue Fahrzeuge — automotive24.center

Hyundai entwickelt ein System zur Simulation eines manuellen Schaltgetriebes für künftige Modelle

Die Automobilindustrie sucht weiterhin nach Wegen, das Fahrerlebnis angesichts des beschleunigten Übergangs zur Elektrifizierung und zu digitalen Technologien zu bewahren

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Einige Hersteller setzen auf einen künstlichen Motorklang, andere entwickeln einen virtuellen Gangwechsel, und manche gehen noch weiter. Hyundai bereitet ein System vor, das ein vollwertiges manuelles Schaltgetriebe samt Schalthebel und Kupplungspedal simulieren kann.

Die neue Entwicklung hat bereits eine rege Diskussion unter Automobilenthusiasten ausgelöst. Ein Teil der Befürworter sieht in solchen Lösungen eine Möglichkeit, das Interesse am Fahren zu erhalten, während andere sie als künstlichen Ersatz für das klassische Schaltgetriebe betrachten.

Warum die Hersteller zum Schaltgetriebe zurückkehren

Die meisten modernen Elektrofahrzeuge nutzen ein eingängiges Getriebe. Das vereinfacht die Konstruktion und sorgt für eine möglichst gleichmäßige Beschleunigung. Zugleich verschwinden die vielen Fahrern vertrauten Empfindungen: das Betätigen der Kupplung, der Gangwechsel und die charakteristische Veränderung der Kraftentfaltung.

Vor diesem Hintergrund haben einige Unternehmen begonnen, mit Systemen zu experimentieren, die das Verhalten klassischer Sportwagen künstlich nachbilden. Hyundai setzt in seinen sportlichen Elektromodellen bereits eine elektronische Simulation des Gangwechsels und einen synthetischen Motorklang ein.

Nun plant das Unternehmen, noch einen Schritt weiterzugehen und physische Bedienelemente hinzuzufügen, wie sie für Fahrzeuge mit manuellem Schaltgetriebe typisch sind.

Wie das neue System funktionieren soll

Den Patentunterlagen zufolge entwickelt Hyundai einen elektronischen Schaltmechanismus mit einem vollwertigen Schalthebel auf dem Mitteltunnel. Das System soll in mehreren Modi arbeiten können.

Im manuellen Modus erhält der Fahrer:

  • eine Simulation eines manuellen Sechsganggetriebes;
  • ein virtuelles Kupplungspedal;
  • eine separate Position für den Rückwärtsgang;
  • einen Neutralmodus;
  • die Möglichkeit eines sequenziellen Schaltens.

Dabei gibt es keine physische Verbindung zwischen Schalthebel, Kupplung und Getriebe. Sämtliche Eingaben werden von der Elektronik verarbeitet, die das Verhalten eines herkömmlichen Schaltgetriebes nachbildet.

Das System kann künstlich Verzögerungen beim Schalten, Drehzahländerungen und das charakteristische Ansprechverhalten des Fahrzeugs auf die Eingaben des Fahrers erzeugen. Vorgesehen ist, dass diese Technologie sowohl in Elektrofahrzeugen als auch in Hybridmodellen zum Einsatz kommt.

Verbindung zu den neuen Sportmodellen von Hyundai

Die Entwicklung könnte Teil der Strategie der Abteilung Hyundai N werden, die ihre Sportwagen auch unter den strenger werdenden Umweltauflagen weiterentwickelt. Das Unternehmen hat bereits die Arbeit an neuen Benzinmotoren und Hybridantrieben bestätigt.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Automatikgetriebe mit einem Elektromotor kombiniert wird, während das virtuelle Schaltgetriebe zu einem zusätzlichen Modus für Anhänger einer aktiveren Fahrweise wird.

Ähnliche Lösungen finden sich bereits in der Automobilindustrie. So erhielt etwa der Hypercar Koenigsegg CC850 ein System, das den Wechsel zwischen Automatik- und manuellem Modus mit einer Simulation des klassischen Schaltgetriebes ermöglicht. Allerdings wird dieses Fahrzeug in begrenzter Stückzahl gefertigt und gehört zu einem exklusiven Segment.

Hyundai hingegen möchte diese Technologie für Großserienmodelle zugänglich machen.

Die zentrale Frage — Zuverlässigkeit und Praxistauglichkeit

Trotz des interessanten Konzepts wirft das neue System Fragen hinsichtlich der Langlebigkeit und der Betriebszuverlässigkeit auf. Anders als bei einem herkömmlichen Schaltgetriebe hängt hier der gesamte Betrieb von der Elektronik und der Software ab.

Zudem dürfte ein Teil der Fahrer einer solchen Simulation skeptisch gegenüberstehen, da eine echte mechanische Verbindung zwischen Motor und Getriebe praktisch fehlt. Zugleich zeigt allein das Aufkommen solcher Projekte, dass die Hersteller bestrebt sind, die emotionale Komponente des Fahrens auch im Zeitalter digitaler Technologien und der Elektrifizierung zu bewahren.