
Das Modell verbindet günstigen Anschaffungspreis mit solider Ausstattung, hat aber – wie jedes Gebrauchtfahrzeug – seine Tücken, die man beim Kauf genau prüfen sollte. Dieser Ratgeber beleuchtet die wichtigsten Schwachstellen des Hyundai Kona I, typische Alltagserfahrungen und worauf Sie bei der Auswahl achten müssen. Technische Daten, Ausstattungsdetails und Innenraum-Bilder finden Sie in den weiteren Teilen der Serie.
Wichtigste Schwachstellen und Besonderheiten der Baureihe
Deutsche Kona-Fahrer berichten in Foren, auf mobile.de, autoscout24.de und in Facebook-Gruppen immer wieder von denselben Themen im Alltag. Keines dieser Probleme tritt bei jedem Fahrzeug auf, viel hängt von Wartungshistorie, Fahrprofil und Pflege ab.
Bei den Turbobenzinern 1.0 T-GDI und 1.6 T-GDI liegt der Realverbrauch im Stadtverkehr meist 1–2 l/100 km über den WLTP-Werten – besonders bei dynamischer Fahrweise oder Stau. Der Saugbenziner 1.6/2.0 MPI (häufig in frühen Importen) ist verbrauchsmäßig berechenbarer, aber deutlich weniger spritzig.
Das Infotainment mit 8-Zoll- oder 10,25-Zoll-Display (ab Facelift 2020) neigt bei manchen Exemplaren zu Verzögerungen bei Navigation und Smartphone-Einbindung (Apple CarPlay/Android Auto) – meist Software-bedingt. Ein Update beim Hyundai-Händler behebt das in den meisten Fällen, doch längst nicht jeder Vorbesitzer hat es machen lassen.
Die Geräuschdämmung ist durchschnittlich: Vor-Facelift-Modelle (2017–2019) lassen ab ca. 100–110 km/h deutlich Roll- und Fahrwerksgeräusche durch. Ab 2020 wurde mit zusätzlichen Dämmmaterialien nachgebessert, trotzdem liegt der Kona hinter VW T-Roc, Seat Arona oder Mazda CX-30.
In den Basis- und Mittelausstattungen kommen harte Kunststoffe zum Einsatz, die mit der Zeit quietschen können – vor allem in den Türverkleidungen. Höhere Ausstattungslinien mit Leder und weichen Flächen sind robuster, brauchen aber regelmäßige Pflege.
Das 7-Gang-DCT-Doppelkupplungsgetriebe verlangt Ölwechsel ca. alle 60.000 km. Wer das ignoriert, riskiert Ruckeln und vorzeitigen Kupplungsverschleiß. Ersatzteile sind verfügbar, Originalteile aber teuer.
Größere Reparaturen wie Turbolader beim T-GDI oder die HTRAC-Kupplung (bei Allradversionen) können schnell 20–30 % des aktuellen Gebrauchtwagenwerts kosten.
Baujahr und Ausstattung – worauf besonders achten
Auch wenn die Produktion 2023 endete, sind die frühen Baujahre (2017–2019) besonders anfällig. Viele Fahrzeuge stammen aus EU-Import oder USA-Rückläufern und zeigen bei höheren Laufleistungen DCT-Verschleiß ab ca. 100.000 km sowie erste Rostansätze an Karosserieunterboden.
Häufige Kritikpunkte: DCT-Überhitzung bei Hitze oder Anhängerbetrieb (relevant auf deutschen Sommer-Autobahnen), sowie Kohleablagerungen an Einlassventilen der Direkteinspritzer nach 80–100.000 km bei durchschnittlicher Kraftstoffqualität.
Infotainment-Aussetzer waren vor dem Facelift häufiger, nach den Updates 2020/2021 deutlich seltener. Das HTRAC-Allradsystem ist grundsätzlich solide, die Lamellenkupplung sollte aber ab ca. 150.000 km kontrolliert werden.
Das Facelift 2020 brachte spürbare Fortschritte: bessere Dämmung, stabileres Infotainment und der überarbeitete 1.6 T-GDI (Smartstream) mit bis zu 198 PS bei etwas besserem Verbrauch. Modelle ab 2021 gelten als deutlich unproblematischer.

Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland
Stand Anfang 2026 gibt es mehrere Tausend Hyundai Kona I auf mobile.de, autoscout24.de und Co. Die meisten Angebote sind Baujahre 2019–2022 mit 50.000–120.000 km, hauptsächlich Benziner 1.0 T-GDI, 1.6 T-GDI oder 1.6 MPI, oft aus EU-Nachbarländern oder Deutschland-Leasingrückläufer.
Der Karosseriezustand hängt stark von der Region ab: In Streusalz-Gebieten (Süddeutschland, NRW, Osten) zeigt sich Rost an Türunterkanten, Radläufen und Unterboden bereits nach 4–6 Jahren, wenn kein Unterbodenschutz erneuert wurde. In küstennahen oder feuchten Regionen ebenfalls kritisch.
Streusalz greift besonders Aufhängungsschrauben und Auspuff an – ohne Zusatzschutz. Ein lückenloser Scheckheft-Service bei Hyundai ist Gold wert, insbesondere dokumentierte DCT-Ölwechsel und Turbolader-Reinigung.
VIN-Prüfung ist Pflicht: Viele Fahrzeuge haben Nachrüstungen (Multimedia, Felgen etc.), die den Preis beeinflussen. Tachomanipulation kommt in 20–30 % der Fälle vor, vor allem bei US-Importen; CarVertical, Carfax oder eine Dekra-/TÜV-Prüfung sind ein Muss.
Realistische Marktpreise für solide Exemplare liegen derzeit bei ca. 15.000–28.000 € je nach Jahr, Laufleistung und Ausstattung – post-Facelift-Modelle (ab 2021) liegen meist im oberen Bereich.
Was sich reparieren lässt und realistischer Budgetpuffer
Fast alle bekannten Schwachstellen des Kona I lassen sich beheben – das macht ihn für aufgeklärte Käufer interessant. Zusätzliche Dämmung (Türen, Radkästen) senkt Fahrgeräusche um 20–30 % und dauert 1–2 Tage.
Infotainment-Probleme verschwinden meist durch Software-Update oder modernere Hardware. Verschlissene Innenraumteile (Kunststoffe, Polster) lassen sich mit passenden Nachbauteilen unauffällig erneuern.
Fahrwerk: Buchsen und Dämpfer verschleißen auf schlechten Straßen schnell; Unterbodenschutz (Hohlraumversiegelung + Steinschlagschutz) schützt langfristig. Ventil-Reinigung bei T-GDI-Motoren empfiehlt sich jährlich oder alle 15–20.000 km.
Budget-Tipp: Rechnen Sie mit 10–15 % des Kaufpreises für Sofortmaßnahmen. Beispiele: kompletter Unterbodenschutz ca. 600–1.200 €, Dämmung 500–900 €. Bei über 100.000 km Laufleistung sind 1.500–3.500 € für die erste große Inspektion (inkl. DCT-Öl, Diagnose etc.) realistisch.
Fazit & Kaufempfehlung
2026 ist der Hyundai Kona I nach wie vor eine solide Gebrauchtwagen-Option in Deutschland – vor allem für Stadt, Kurzstrecke und kleine Familien, sofern man genau hinschaut. Preis-Leistungs-Verhältnis und Ausstattung stimmen, aber die kritischen Baugruppen brauchen Aufmerksamkeit.
Am besten geeignet sind Modelle ab 2020–2023 mit 1.0/1.6 T-GDI oder 2.0 Sauger und Frontantrieb – sie haben die wenigsten bekannten Schwachstellen und die beste Dämmung. HTRAC-Allrad ist für winterliche oder schlechte Straßen sinnvoll, aber Kupplung prüfen lassen.
Beim Kauf immer: DCT im Probefahrt-Test (kein Ruckeln), Karosserie und Unterboden auf Rost (Radläufe, Schweller), echter Kilometerstand per Scheckheft/Händler-Report, kompletter Funktionstest des Infotainments. Eine Untersuchung bei Hyundai-Vertragshändler oder unabhängiger Prüfstelle (Dekra, TÜV, KÜS) ist unverzichtbar, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Mit sorgfältiger Wartung und transparenter Historie wird ein gebrauchter Kona ein zuverlässiger, praktischer und sparsamer Alltagsbegleiter.